Archiv: Gerangel um Topjobs

Deutsche Telekom » Kai-Uwe Ricke hatte sich auf ein Geschäftsjahr ohne Führungsprobleme gefreut. Endlich, so zeigte sich der Telekom-Chef in kleiner Runde erleichtert, habe er mit den drei Spartenchefs René Obermann (T-Mobile), Walter Raizner (T-Com) und Konrad Reiss (T-Systems) eine schlagkräftige Truppe zusammen, die dem Schlingerkurs der Vergangenheit ein Ende setzen könne. 

Doch Rickes Hoffnung wurde jäh enttäuscht. Mit dem plötzlichen Tod von T-Systems-Chef Reiss, der in der vergangenen Woche während seines Urlaubs an Herzversagen starb, flammt die leidige Führungsdebatte im Konzernvorstand von Neuem auf. Und im Zug der geplanten Fusion von Festnetz- und Internetgeschäft zu T-Com wogt in Raizners neuem Vorstandsteam ein erbittertes Gerangel um Posten. 

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Der ständige Wechsel auf wichtigen Managerposten, den Ricke stoppen wollte, lenkt den Konzern erneut vom operativen Geschäft und der Jagd nach Marktanteilen ab. 

Headhunter suchen zwar schon einen Nachfolger für Reiss. Doch nur wenige Topmanager in Deutschland reizt der Wechsel in den Stressjob bei der Telekom, der stark von der Politik abhängig ist. Die Suche nach dem neuen T-Systems-Chef kann deshalb Monate dauern. Bis sich der Neue dann im Machtgefüge der Telekom zurechtgefunden hat, vergeht wohl noch einmal ein halbes Jahr. T-Systems, so muss Ricke befürchten, ist auf Monate mit sich selbst beschäftigt. 

Dabei hat die Telekom den perfekten Nachfolger für Reiss in den eigenen Reihen: T-Com-Chef Raizner hat als ehemaliger Deutschlandchef von IBM reichlich Erfahrung im Großkundengeschäft. Doch Raizner leitet T-Com erst seit einem halben Jahr, und ohne ihn würde die wichtige Verschmelzung der Festnetzsparte mit T-Online ins Stocken geraten. Zudem ist er nach einem Zusammenschluss der einander in herzlicher Abneigung zugetanen Telekom-Töchter als Moderator kaum ersetzbar. 

Raizner stellt gerade sein künftiges Führungsteam zusammen und muss sich dabei anhaltender Attacken aus beiden Lagern erwehren. Diese werden nicht müde, Vertretern des anderen Lagers die Eignung für die acht neu zu vergebenden Vorstandsposten bei T-Com abzusprechen. 

Von den sechs T-Online-Vorständen haben nur drei echte Chancen, in die T-Com-Führung aufzurücken. T-Online-Chef Rainer Beaujean gilt als Wunschkandidat für den Bereichsvorstand Internationales, Marketing-Vorstand Burkhard Graßmann wird seine Funktion wohl auch bei der vereinten T-Com ausfüllen. 

Der gesetzte T-Online-Manager Graßmann, heißt es, liebäugele auch mit einem Wechsel zur Konkurrenz. Er sei als Nachfolger für den Ende 2005 in die AOL-Europazentrale aufrückenden derzeitigen AOL-Deutschland-Chef Stan Laurent im Gespräch. 

Neben Beaujean und Graßmann hat auch Technik-Vorstand Andreas Kindt gute Karten. Ihm ist die Stelle des T-Com-Vorstands für Qualitätsmanagement kaum zu nehmen. Graßmann und Kindt sind Vorstandsposten bereits im Verschmelzungsvertrag in Aussicht gestellt worden. 

Von T-Com-Seite sind Achim Berg als Vertriebschef, Roland Kittel als Technikchef sowie Ralph Rentschler als Finanzchef gesetzt. Die anderen, besonders IT-Chef Klaus Vitt und Personalchef Theo Knoll „wackeln“, so ein Insider. Raizner hält sich die Option offen, sein künftiges Team auch mit Managern von außen aufzufrischen. Dann müssten Vitt und Knoll Platz machen. 

j.berke@wiwo.de, t.kuhn 

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