Archiv: Glatt blockiert

Das Krebsmedikament Erbitux von Merck greift den Tumor gezielt an und hindert ihn am weiteren Wachstum 

Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in den Industrienationen. Allein an Darmkrebs erkranken in Europa jedes Jahr 350 000 Menschen neu. Bisher waren vor allem die chirurgische Entfernung, Bestrahlung und Chemotherapie die Behandlungsmethoden der Wahl. Jetzt steht mit dem Krebsmedikament Erbitux von Merck in Darmstadt zum ersten Mal ein Arzneimittel zur Verfügung, das direkt in den biologischen Mechanismus der Tumorzellen eingreift und gesunde Zellen weit gehend verschont. 

Das Medikament Erbitux, ein monoklonaler Antikörper gegen Darmkrebs, ursprünglich vom US-Biotech-Unternehmen ImClone entwickelt, war von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zunächst nicht zugelassen worden, weil die Studiendaten die Wirksamkeit nicht klar belegten. Erst eine zweite Studie des Lizenznehmers Merck zeigte, dass das Präparat bei einer nennenswerten Zahl von Patienten ansprach und die Überlebenszeit der Patienten deutlich verlängerte. 

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Erbitux blockiert die Andockstelle für den Epidermalen Wachstumsfaktor (Epidermal Growth Factor, EGF). Diese Blockade verhindert, dass sich die Krebszellen vermehren und in gesundes Gewebe eindringen. Möglicherweise hemmt Erbitux sogar die Bildung von neuen Blutgefäßen zur Versorgung des Tumors. In Kombination mit einer Chemotherapie, so das Ergebnis einer Studie, bildete sich der Tumor bei 23 Prozent der Patienten teilweise zurück, bei der Hälfte der Behandelten verzögerte sich das Voranschreiten der Erkrankung um vier Monate. 

Wahrscheinlich wirkt Erbitux auch bei Lungen- und Kopf-Hals-Tumoren. Die ersten Ergebnisse sind ermutigend: In Kombination mit einer Bestrahlung überleben die Patienten mit Kopf-Hals-Krebsgeschwulsten 54 Monate, fast doppelt so lange wie Patienten, die nur bestrahlt wurden (28 Monate). 

juergen.rees@wiwo.de 

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