Archiv: GöttlicheErrettung

Der geniale Star-Designer Nicolas Ghesquière erweckte das ehrwürdige Pariser Haus Balenciaga aus dem Koma. 

Charlotte Gainsbourg, Isabelle Huppert, Françoise Hardy tragen seine Kleider; Madonna und Nicole Kidman ebenso. Nicolas Ghesquière, 35, gelang es binnen weniger Jahre, im Pariser Modehimmel so etwas wie den Thron des Zeus einzunehmen. Gut sieht er aus, der junge Gott: Dauerschmollmund, dunkle Haare nach hinten gekämmt – ein Verschnitt von frühem Elvis und James Dean. 

Noch fantastischer wirken seine Entwürfe. Mal kommen sie im Westernlook mit Fransen, Spitzen und Honky-Tonk-Ästhetik daher, dann wieder in Lack und metallischen Applikationen in Anspielung auf „Star Wars“. „Ghesquière ist ebenso eigensinnig wie brillant“, lobt die Hohepriesterin der Modekritik, Suzy Menkes von der „International Herald Tribune“. 

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In den Boutiquen hängen zurzeit die Entwürfe aus der diesjährigen Frühjahrsschau, die von der Modeszene überschwänglich gefeiert wurde. Ghesquière, seit 1997 Kreativdirektor des Modemachers Balenciaga, hat sich von den späten Entwürfen des Gründers Cristóbal Balenciaga (1895-1972) inspirieren lassen. Heraus kamen Designs im Stil der Sechzigerjahre mit Kurzmänteln auf Körperdistanz, Tulpenröckchen, Minis mit bauschigen Kellerfalten und kastenförmigen Jacken. Zum ersten Mal seit seinem Antritt als kreativer Kopf des Hauses hatte sich Ghesquière direkt auf den Altmeister bezogen – passend zur Balenciaga-Ausstellung des Musée des Arts Décoratifs im Louvre (noch bis 28. Januar), auf der 160 Entwürfe aus den Jahren 1937 bis 1968 gezeigt werden. Balenciaga, damals der führende Modeschöpfer in Paris, hatte sich 1968 als Reaktion auf die Mai-Unruhen aus der Modewelt verabschiedet: „Das Leben, das die Haute Couture getragen hat, ist vorüber.“ 

Der Sohn eines Fischers und einer Schneiderin aus dem Baskenland war 1937 vor dem Bürgerkrieg nach Paris geflohen. Dort gehörte er bald zu den maßgebenden Modeschöpfern. „Sie müssen nicht schön sein“, so eines seiner Bonmots, „meine Kleider erledigen das für Sie.“ Zu seinen Kundinnen gehörten die Fürstin Gracia Patricia von Monaco, Marlene Dietrich, Fabiola von Belgien. 

Nach Balenciagas Tod 1972 ging es mit dem Modehaus zunächst bergab. Erst gehörte die Marke dem Pharmahersteller Hoechst (heute Aventis), seit 2001 dann Gucci. „Als ich antrat, war Balenciaga nicht einmal ein schlafendes Dornröschen“, sagt Ghesquière, „die Marke war mausetot.“ Doch zur Jahrtausendwende galt das junge Talent in Frankreich bereits als der Retter der Pariser Modeszene. „Time“ kürte den Designer als einzigen Franzosen und einzigen Modedesigner zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten. 

Lothar Schnitzler 

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