Goldman und Apax verkaufen

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Tony Ball » Der Beiratschef von Kabel Deutschland fädelte zusammen mit Providence-Chef John Hahn den Eigentümerwechsel bei Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber ein: Providence übernimmt die Anteile von Apax und Goldman Sachs. 

Die Verhandlungen waren streng geheim. Lange Zeit war nicht einmal die Geschäftsführung von Kabel Deutschland (KDG) unter ihrem derzeitigen Vorsitzenden Roland Steindorf informiert. Doch Münchner Medienkreisen zufolge sind sich die Eigentümer von KDG einig: Noch in dieser Woche wollen sie den Ausstieg der Finanzinvestoren Apax und Goldman Sachs bei Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber besiegeln. John Hahn, Europachef des amerikanischen Finanzinvestors Providence Equity, übernimmt die Anteile seiner bisherigen Partner beim Münchner Kabelunternehmen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche bewerten die Finanzinvestoren KDG dabei mit rund 3,4 Milliarden Euro. Das ist das Achtfache des KDG-Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von voraussichtlich rund 425 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr. 

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Mit Providence hat bei KDG dann ein Investor das Sagen, der mit seinem Medienfokus einen Top-Ruf in der Branche genießt. Unter Hahns Führung hat sich Providence in Europa unter anderem an den Kabelgesellschaften Ono in Spanien, Casema in den Niederlanden und Com Hem in Schweden beteiligt. Starker Mann bei KDG ist derzeit der Beiratsvorsitzende Tony Ball. Der ehemalige Chef des britischen Bezahlsenders BSkyB ist der Vertrauensmann von Hahn vor Ort. Ball verbringt im Moment rund die Hälfte der Woche in der KDG-Zentrale in München, um mit der Geschäftsführung die neue Strategie zu schmieden. Inhalte wie die Bundesligarechte, für die KDG derzeit bietet, werden in Zukunft eine größere Rolle spielen. Steindorf, noch Vorsitzender der Geschäftsführung, wechselt im Frühjahr nächsten Jahres in den KDG-Aufsichtsrat, dem der ehemalige Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber vorsteht. 

Nach Informationen der WirtschaftsWoche verhandelt Providence derzeit mit einem potenziellen Nachfolger, dessen Name nach Branchengerüchten schon in der kommenden Woche bekannt gegeben werden könnte. 

Für die beiden scheidenden Investoren Apax und Goldman Sachs war KDG ein erstklassiges Geschäft, auch wenn die geplante Übernahme der kleineren Konkurrenten Ish, Kabel Baden-Württemberg und Iesy im vergangenen Jahr am Widerstand des Bundeskartellamts scheiterte. Apax und Goldman hatten KDG zusammen mit Providence am absoluten Tiefpunkt der Branche im März 2003 für rund 1,75 Milliarden Euro von der Deutschen Telekom übernommen. Das entsprach damals dem Vierfachen des KDG-Ebitda. Die drei Finanzinvestoren finanzierten rund zwei Drittel des Kaufpreises mit Darlehen, ein Drittel stammte aus eigenen Mitteln. Inzwischen haben sich die Preise für Kabelbetreiber dramatisch erholt. Nach der gescheiterten Übernahme von Ish und Co. haben die Investoren KDG mit rund 1,6 Milliarden Euro am Kapitalmarkt refinanziert und sich eine Sonderdividende ausgezahlt, die ihr ursprüngliches Investment bereits überstieg. Zusammen mit dem jetzt ausgehandelten Kaufpreis dürften Apax und Goldman nach Kalkulationen der WirtschaftsWoche circa das Siebenfache ihres Einsatzes nach rund zweieinhalb Jahren zurückbekommen haben. Das entspricht einer internen Verzinsung von rund 100 Prozent pro Jahr. 

brigitte.haacke@wiwo.de 

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