Archiv: Greller Auftritt

Xavier Sala i Martín » Der spanische Starökonom hat einen neuen Indikator entwickelt, um die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern zu messen. 

Er fällt auf – sogar neben Filmschönheit Angelina Jolie. Im rosa Jackett samt farblich abgestimmter Schweinchenkrawatte kam Xavier Sala i Martín dieses Jahr zum Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum) nach Davos, um mit der Hollywoodschauspielerin über Armut und Wohltätigkeit zu diskutieren. Zu anderen Terminen holt der 43-Jährige giftgrüne oder türkisfarbene Sakkos aus dem Schrank, alle von Asienreisen mitgebracht. „Immer nur schwarz und grau ist doch langweilig“, sagt der spanische Ökonom, der an der New Yorker Columbia University lehrt. Noch lieber als mit seiner Garderobe provoziert er aber mit seinen Thesen und Methoden. Für das Weltwirtschaftsforum entwickelte er jüngst einen neuen Indikator, um die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern zu messen. Der bildet die Grundlage für den diesjährigen Global Competitiveness Report, der am Dienstag veröffentlicht wurde und die Schweiz als besten Standort ausweist (siehe Seite 44). Der neue Indikator ersetzt den Wachstumsindex, den Jeffrey Sachs und John McArthur, ebenfalls von der Columbia University, erarbeitet hatten. Sala i Martín zählt heute zu den profiliertesten Wachstumsexperten. Zwischen 1992 und 2002 wurden weltweit nur sieben andere Ökonomen häufiger in wissenschaftlichen Zeitschriften zitiert. 

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Weltweites Aufsehen hatte Sala i Martín 2002 erregt, als er eine neue Methode zur Berechnung von Armutsquoten vorstellte. Bis dahin hatten fast alle auf die Armutsberechnungen der Weltbank vertraut, die sich vor allem auf Haushaltsbefragungen stützte. Dagegen arbeitet der in Harvard promovierte Starökonom mit Daten aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Inzwischen erkennt sogar die Weltbank die Vorteile der Methode an. Der Volkswirtschaftsprofessor kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Armut weltweit stark zurückgegangen ist. Der Anteil der Weltbevölkerung, der von weniger als zwei Dollar am Tag leben muss, lag nach seiner Berechnung 1970 bei 41 Prozent. 1998 waren es inflationsbereinigt nur noch 19 Prozent. Als einer der ersten Ökonomen widmete sich Sala i Martín dem Phänomen einer weltweiten Mittelklasse. Er wies darauf hin, dass vor allem in China und Indien zunehmend Menschen einen Lebensstandard erreichen, der mit dem eines Mittelmeerlandes wie Griechenland vergleichbar ist. 

silke.wettach@wiwo.de| Brüssel 

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