„Größere Deals stemmen“

Archiv: „Größere Deals stemmen“

Eckhard Spoerr » Der Mobilcom-Chef über die Angriffe der Konkurrenz und das Zusammenwachsen von Festnetz und Mobilfunk. 

Herr Spoerr, mit dem überraschenden Einstieg des Mobilfunkanbieters Drillisch hat Mobilcom plötzlich einen zweiten Großaktionär. Sitzt bald ein Konkurrent im Aufsichtsrat von Mobilcom? 

Mit einem Anteil von zehn Prozent ist Drillisch natürlich ein größerer Aktionär von Mobilcom. Da die Beteiligungsgesellschaft TPG direkt 19 Prozent und über befreundete Investoren weitere knapp zehn Prozent hält, ist Drillisch kein dominierender Aktionär. Es entspricht nicht unseren Vorstellungen von Corporate Governance, wenn ein unmittelbarer Wettbewerber einen Sitz im Aufsichtsrat bekommen würde. 

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Was verspricht sich Drillisch von seiner Mobilcom-Beteiligung? 

Uns ist bis heute eigentlich nicht klar, was Drillisch eigentlich beabsichtigt. 

Sie haben sich doch mit Drillisch-Chef Paschalis Choulidis getroffen. 

Wir hatten ein Gespräch, und darin hieß es, dass Drillisch die Fusion zwischen Mobilcom und Freenet unterstützt. Sie hatten sogar damit gerechnet, dass die Fusion schon abgeschlossen ist. Im ersten Gespräch wollte Drillisch die Fusion auf keinem Fall infrage stellen. Zwei Wochen später konnten wir der Presse entnehmen, dass sich Drillisch nun kritisch zur Fusion äußert. Dasselbe gilt für den Aufsichtsrat. Erst hieß es, dass man keinen Sitz anstrebt. Eine Woche später wollte man einen Sitz im Aufsichtsrat. So gesehen ist es etwas schwierig, einzuschätzen, was Drillisch konkret beabsichtigt. 

Droht jetzt die Verschmelzung von Mobilcom und Freenet doch noch zu scheitern? 

Die Fusion ist für uns absolut erfolgskritisch – sowohl für den Service Provider Mobilcom als auch mittelfristig für den Internetanbieter Freenet. Der gesamte Markt schwenkt in Richtung Konvergenzprodukte, die sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk funktionieren. Eine Fusion zwischen Freenet und Mobilcom ist goldrichtig. 

Die Klagen von Aktionären verhindern seit über einem Jahr einen gemeinsamen Markt-auftritt. Ist der Rückstand noch aufzuholen? 

Wir haben sicherlich viel Zeit verloren. Aber wir treffen strategische Entscheidungen nicht für ein Jahr. Die strategische Grundausrichtung ist heute richtiger denn je. 

Wann ist denn die Fusion unter Dach und Fach? 

Wir haben klare Urteile in der ersten Instanz bekommen. Wir haben mit 23 von 24 Klägern bei Mobilcom und nun auch mit allen Aktionären bei Freenet eine Einigung erzielt. Das Verfahren ist dadurch nicht mehr so komplex, sodass wir mit einer deutlich kürzeren Verfahrenszeit in der zweiten Instanz rechnen. Voraussichtlich im Februar kann also mit einer endgültigen Entscheidung gerechnet werden. 

Dann können Sie Freenet zum virtuellen Mobilfunk-betreiber mit eigenen Handy-diensten ausbauen? 

Das ist die zwingende Konsequenz für uns. AOL macht das ja auch. Wir fangen aber nicht bei null an. Mit fünf Millionen Mobilfunkkunden haben wir einen Startvorteil. Nach der Hochzeit zwischen Mobilcom und Freenet können wir auf bestehende Strukturen, Vertriebswege, Kompetenzen und Kundenverhältnisse zugreifen. Wir können viel schneller in solch einem neuen Markt Fuß fassen. Theoretisch könnte Mobilcom einen eigenen E-Mail-Service aufbauen. Freenet hat aber schon die drittgrößte E-Mail-Community. Das ist ein Vorteil der fusionierten Einheit. 

Bei den Service Providern im Mobilfunk und bei den DSL-Anbietern zeichnet sich die nächste Fusionswelle ab. Welche Rolle wollen Sie dabei spielen? 

Wir schauen uns auch Unternehmen im Wachstumsmarkt Breitbandinternet an. Das müssen nicht nur DSL-Anbieter sein. Interessant sind auch Unternehmen mit besonderen Internetanwendungen. Wir denken nicht nur in Kundenzahlen, sondern auch in Kompetenzen. 

Wie groß ist Ihre Kriegskasse? 

Freenet verfügt etwa über 180 Millionen Euro. Rund 500 Millionen Euro liegen im gesamten Konzern bereit, wenn die Fusion vollzogen ist. Mit den üblichen Bankkrediten könnten wie dann auch deutlich größere Deals stemmen. 

juergen.berke@wiwo.de 

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