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Werner Müller » Der Vorstandsvorsitzende des Essener RAG-Konzerns sieht sich durch ein neues Gutachten mit seinen Börsenplänen bestätigt. Zu Recht? 

Wenn RAG-Chef Werner Müller am Mittwoch dieser Woche vor dem Wirtschaftsausschuss des Düsseldorfer Landtags seine Börsenpläne erläutert, erwartet er leichtes Spiel. Gerade hat ihm die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, beauftragt von der Politik, in einem Gutachten bescheinigt, dass Börsengang (5,5 Milliarden Euro) und Rückstellungen (5,5 Milliarden Euro) des Essener Konzerns zuzüglich Zinsen ausreichen, um die auf 13,8 Milliarden Euro taxierten Altlasten für die Stilllegung des Bergbaubereichs der RAG im Jahr 2014 zu decken. Die Prüfer orientierten sich dabei an den bilanziellen Vorgaben der RAG, überprüft haben sie die Angaben des Konzerns nicht. 

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Größtes Risiko aller Berechnungen ist die Zinsentwicklung am Kapitalmarkt. Denn die Höhe der Rückstellungen für die Kostendeckung der Bergbauschäden und Pensionslasten hängt am unterstellten Zinssatz. Je niedriger der Zins, desto höher müssen die Rückstellungen ausfallen. So rechnet die RAG langfristig mit – derzeit angemessenen – Sätzen von 4,60 Prozent. Sollten die Zinsen jedoch sinken, könnten sich Milliardenlücken ergeben. So hatte die RAG etwa die Annahmen für ihre 11,2 Milliarden Euro schweren Pensionsverpflichtungen zu optimistisch angesetzt. Folge: Ende vergangenen Jahres liefen sogenannte versicherungsmathematische Verluste von 1,3 Milliarden Euro auf. Die Lücke in den Pensionsplänen ist nun schon 7,5 Milliarden Euro groß. 

Ähnliches könnte auch bei den Rückstellungen für die Bergbauschäden passieren, die gemessen am RAG-Einzelabschluss gegenüber Ende 2005 schon um 300 Millionen Euro gestiegen sind. 

Ein zweites Gutachten soll nun klären, ob eine Zerschlagung der RAG nicht erheblich mehr Geld einbrächte als ein Börsengang. Allein die Chemietochter Degussa ist an der Börse aktuell 9,5 Milliarden Euro wert. Ein Verkauf der RAG in Einzelteilen würde dem Steuerzahler – unabhängig von allen Zinsfragen – mehr Sicherheit geben, dass die Bergbau-Folgekosten gedeckt sind. 

christof.schuermann@wiwo.de 

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