Archiv: Große Worte

ThyssenKrupp » Der Düsseldorfer Konzern will das Tempo beim Transrapid-Entscheid anziehen – und verärgert die Chinesen. 

Mit öffentlichen Äußerungen versucht Alfred Wewers, Chinachef von ThyssenKrupp, die Regierung in Peking unter Druck zu setzen, um den Bau der gut 160 Kilometer langen Transrapid-Strecke von Shanghai nach Hangzhou durchzudrücken. Seit Ende 2003 ringen Vertreter des deutschen Konsortiums TRI, zu dem sich ThyssenKrupp und Siemens zusammengeschlossen haben, um den Auftrag. „Die Zeichen stehen auf Grün, dass die Strecke gebaut wird“, sagte Wewers vergangene Woche am Rande der Stahlkonferenz im südkoreanischen Seoul. In Peking ist man darüber verärgert. „Derartige Äußerungen sind für den Entscheidungsprozess nicht nützlich“, kontert ein Mitarbeiter der Staatlichen Planungs- und Entwicklungskommission. „Wewers kann in China kein grünes Licht geben.“ 

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Die Kommission wacht darüber, dass die nationalen Interessen Chinas bei großen Projekten gewahrt bleiben. Am Anfang dieser Woche trafen sich Vertreter des Konsortiums mit der Kommission zu Verhandlungen. Bisher hat die Kommission noch kein grünes Licht gegeben. Es ist durchaus üblich, dass Infrastrukturprojekte zu Gunsten Chinas nachgebessert werden müssen. „Wenn das Projekt bis zur Weltausstellung 2010 fertig sein soll, muss spätestens Anfang 2006 mit dem Bau begonnen werden“, drängte Wewers vor wenigen Tagen. Doch offensichtlich hat sich der China-chef von ThyssenKrupp verrechnet. „Wir treffen unsere Entscheidungen in dem Tempo, das wir für richtig halten“, heißt es aus der Planungskommission. Die Frage ist, wer durch den Termin 2010 mehr unter Druck gerät. Schon 2004 hatte Wewers angekündigt, das Projekt stehe kurz vor dem Abschluss. Doch noch immer sind viele Fragen offen. Derzeit geht es vor allem darum, wie viel Technologie die Chinesen bekommen und zu welchem Preis pro Kilometer die Strecke gebaut werden kann. Wewers wäre nicht der Erste, dem in China seine großen Worte zum Verhängnis würden. Schon der scheidende DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp wurde im Regen stehen gelassen, nachdem er im Zusammenhang mit dem neuen Mercedes-Werk in Peking versucht hatte, chinesischen Behörden Termine zu setzen. 

frank.sieren@wiwo.de | Peking 

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