Archiv: Grüner auf Abwegen

Reinhold Messner »  Der Extrembergsteiger und Ex-Grünen-Abgeordnete kämpft in Südtirol für den Ausbau von Skipisten inmitten eines Nationalparks. 

Gerne bezeichnet sich Reinhold Messner als grüner Denker. Der 61-Jährige saß eine Wahlperiode lang für die italienischen Grünen im Europaparlament und kämpfte gegen ausufernden Bergtourismus. Doch jetzt macht er in seiner Südtiroler Heimat, dem Vinschgau, für die Ausweitung des Suldener Skigebiets sowie den Bau einer Liftanlage mitten im Nationalpark Stilfserjoch mobil. Messner ist überzeugt, Südtirol benötige ein Skigebiet von Weltklasse, sonst kämen in Zukunft keine Touristen mehr. „Wir brauchen keine kleinen Rutschpartien hier und da, wir brauchen was großes“, sagt er. 

Anzeige

Tourismusunternehmer Walter Klaus, dessen Silvretta-Nova-Gruppe Liftanlagen in Südtirol und Österreich betreibt, etwa in Sulden, würde das Liftprojekt wohl finanzieren. Er kennt Messner gut. Örtlichen Medien zufolge hat der Unternehmer 50 000 Euro für das Messner Mountain Museum gespendet. Messner verteidigt seinen Vorstoß, das Vorhaben sei der geringstmögliche Eingriff in die Natur mit der größtmöglichen wirtschaftlichen Wirkung. Nur zwei Liftstützen und wenige Lawinenschutzanlagen seien nötig. 

Die Nationalparkverwaltung verweist dagegen auf das neue italienische Nationalparkrecht. Danach sind solche Infrastrukturprojekte nur in den so genannten D-Zonen der Schutzgebiete möglich. Doch das von Messner vorgeschlagene Areal liegt in einer künftigen B-Zone, einem Gebiet, das wegen seiner Almen und alpinen Rasenflächen stärker geschützt werden soll. 

Der italienische Zweig des World Wildlife Fund (WWF) kündigt bereits Widerstand an. Die Umweltorganisation ist gegen neue Liftanlagen in den Alpen, besonders wenn sie in einem Nationalpark liegen. 

Eine Entscheidung über das Projekt kann nur das Umweltministerium in Rom oder der Nationalparkrat Stilfserjoch treffen. Die Parkverwaltung zeigt sich gegenüber Messners Plan sehr reserviert. 

Profitieren würde von dem Vorhaben vor allem die Gemeinde Martell, die am Fuße der geplanten Skiabfahrten liegt. Bisher besitzt das Tal kein Skigebiet. 

thomas.stoelzel@wiwo.de 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%