Archiv: Gute Ansätze

Christoph Schmidt » Der Präsident des Essener Think Tank RWI wird für seine Reform gelobt – muss aber noch nachlegen. 

Erst seit drei Jahren leitet Christoph Schmidt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, doch hat er es bereits grundlegend umgebaut. Er hat die Inhalte neu gewichtet und die Organisation reformiert – und zwar in einer „bemerkenswert engagierten und konsequenten Weise“, wie die Gutachter der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz loben, die die Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland überprüfen. Ihr Votum entscheidet mit darüber, ob ein Institut vom Staat finanziell gefördert werden soll. 

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Schmidt hat vor allem die überkommenen Abteilungsstrukturen aufgelöst. Darin sehen die Gutachter „gute bis sehr gute Ansätze“. Insgesamt habe sich das RWI unter Schmidts Leitung zu einem dynamischen Forschungsinstitut mit einem „leistungsorientierten Arbeitsklima“ entwickelt, heißt es in dem Gutachten, das der WirtschaftsWoche vorliegt. 

Dagegen kritisieren die Prüfer die unzureichende thematische Fokussierung des Forschungsprogramms. Zwar wende das RWI anspruchsvolle Methoden der empirischen Analyse an, die dazu beitragen könnten, die Qualität der wissenschaftlichen Politikberatung in Deutschland zu verbessern. Doch sei das Forschungsprogramm angesichts der begrenzten Zahl von Forschern zu weit gespannt. Im RWI arbeiten derzeit 45 Wissenschaftler in 16 Forschungsschwerpunkten. Darüber hinaus mahnen die Gutachter, die Zahl der Publikationen in referierten Fachzeitschriften zu erhöhen. Dies hatten die Leibniz-Prüfer bereits dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ins Stammbuch geschrieben, deren Bewertungsberichte Ende November veröffentlicht wurden (WirtschaftsWoche 49/2005). 

Der Bericht über das RWI wird voraussichtlich im Februar an den Senatsausschuss der Leibniz-Gemeinschaft gehen, anschließend an den Senat. Das letzte Wort über die weitere finanzielle Förderung des Instituts hat dann die Bund-Länder-Kommission. RWI-Präsident Schmidt ist optimistisch: „Nach der vorliegenden Fassung gehen wir davon aus, dass wir die Verlängerung der Finanzierung für die nächsten sieben Jahre bekommen.“ Dabei geht es um eine Menge Geld: Das Jahresbudget des RWI beläuft sich auf rund sechs Millionen Euro. 

matthias.kamp@wiwo.de, malte fischer 

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