Archiv: Gwynet h Paltrow

z Ich weiß, dass mich die Öffentlichkeit etwas langweilig findet, seit ich hauptsächlich Familie und Freunde genieße und makrobiotisches Essen zu meinem interessantesten Hobby avanciert ist. Aber diese Einfachheit ist der Schlüssel zum Glücklichsein. Muss man denn ständig Koks vom Hintern irgendwelcher Stripper ziehen, um ein aufregendes Leben zu suggerieren? 

z Eine Zeit lang galt ich als Hollywoods Sauberfräulein und Prinzesschen – unfreiwillig. Es ist ja nicht so, als ob ich losgezogen wäre und darum gebettelt hätte, in jeder Frauenzeitschrift zum It-Girl aufgeblasen zu werden! Wie alle Welt war ich selbst diese künstliche Paltrow-Person bald satt. Ich lernte auf die harte Tour, den Medienhype völlig auszuknipsen und mich auf meine Umgebung und mich selbst zu konzentrieren. 

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z Die Geburt eines eigenen Kindes ist die größte Chance, das Verhältnis zu den eigenen Eltern richtig zu begreifen. Ich hatte mich meiner Mutter gegenüber oft wie ein undankbarer Teenager aufgeführt. Als Apple auf die Welt kam, dämmerte mir, dass mich meine Mutter womöglich ebenso liebt wie ich meine Tochter liebe. 

z Ich lebe seit Jahren vornehmlich in England und liebe es, weil diese Gesellschaft nicht so brachial kapitalistisch ist wie die amerikanische. Die Menschen sprechen hier nicht nur über Arbeit, Geld und Erfolg. In den USA kann man leicht in die psychologische Falle tappen, sich für minderwertig zu halten, weil man sich einbildet, nicht genug zu erreichen. 

z Für einen Film trug ich mal einen so genannten „fat suit“, der mich 200 Kilogramm schwerer machte und mich völlig verunstaltete. Dann ging ich auf die Straße und versuchte eine halbe Stunde lang, mit jemandem Augenkontakt zu erhaschen – keine Chance. Dieser Moment der Isolierung lehrte mich, niemals Menschen nach dem Aussehen zu beurteilen. 

z Dennoch gehe ich davon aus, dass Männer ihre Frauen nur nach dem Aussehen wählen. Die armen Teufel können nicht anders. Sie gehorchen den Gesetzen des Darwinismus, wollen die Fortpflanzung ihrer DNA mit möglichst attraktiven Partnerinnen sichern. Seit ich das begriffen habe, komme ich viel besser mit den Männer-Macken klar. 

z Schönheit bedeutet, sich in seiner Haut wohl zu fühlen. Aber das Tragen eines Killer-Lippenstiftes hilft auch. 

z Der Tod meines Vaters war der schrecklichste Tag in meinem Leben. Doch wenigstens konnte ich seinen Verlust einigermaßen verkraften. Kurz nachdem ich meinen Oscar bekommen hatte, war schon mein Großvater gestorben. Sein Tod hatte damals meine gesamte Wahrnehmung relativiert. Seither genieße ich die Gegenwart noch bewusster, um später nicht mit Reue in die Vergangenheit blicken zu müssen. 

z Mit der Filmarbeit verdiene ich schon seit 2002 keinen Cent mehr. Ich drehe nur noch schlecht bezahlte Herzensprojekte wie „Proof“. Das Leben ist mir einfach zu kurz, um Rollen anzunehmen, in denen ich im Bikini oder mit einer Pistole durchs Bild rennen muss. Da verdiene ich mir lieber mit einer Werbekampagne für Estée Lauder meinen Lebensunterhalt. Dafür genieße ich das Privileg, für die Kunst und nicht fürs Konto zu schauspielern. 

z Das letzte Mal war ich bei einem Spanienurlaub vor drei Jahren betrunken. Ich mag es einfach nicht und finde betrunkene Frauen würdelos. Ich halte es für mutiger, das Leben ganz nüchtern und ohne Illussionen zu konfrontieren. 

z Der größte Nachteil des Erfolges als Schauspielerin ist nicht das Nomadenleben auf Filmsets und auch nicht die Aufdringlichkeit der Paparazzi. Es ist der eigene Vertrauensverlust. Ich vertraute früher jedem. Doch sobald ich ein bisschen bekannt war, wurde das so missbraucht, dass mir gar nichts anderes übrig blieb, als mich radikal zurückzuziehen. 

z Meine Eltern kommen beide aus der Filmbranche. Als ich jünger war, fürchtete ich oft, deshalb als Schauspielerin nicht ernst genommen zu werden. Doch ich habe aufgehört, mich damit zu zermartern. Mein Onkel baut in der 13. Generation Geigen und ist auch glücklich dabei. Man sollte sich also mit seinen Wurzeln abfinden, wie immer sie gewachsen sind. 

Roland Huschke 

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