Haarschnitt für Hirohito

Archiv: Haarschnitt für Hirohito

Der Pariser Schönheitssalon Carita ist das Nonplusultra für Frauen. Und zunehmend auch für Männer. 

Rendezvous bei Carita, 11, rue du Faubourg Saint-Honoré, schräg gegenüber vom Luxusschneider Hermès. „Bonjour, ich habe einen Termin bei Joëlle.“ 

Joëlle Poulin wartet schon. Die sympathische Mittfünfzigerin mit dem kurzen schwarzen Haar ist für den reibungslosen Ablauf in dem legendären Pariser Schönheitssalon verantwortlich. Wer Glück hat, wird von ihr selbst behandelt und mit den Kosmetikprodukten der Hausmarke porentief runderneuert. 143 Euro zahlt er zum Beispiel für die Falten bügelnde Prozedur „Rénovateur Lift Fermeté“, Wartezeit für einen Termin im Schnitt eine Woche. 

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Stars und Sternchen, Abstammungs- und Geldadel, Politikerfrauen und Prinzessinnen aus Tausendundeiner Nacht – Joëlle hat sie alle unter ihren Händen gehabt. 

„Hausbesuche“ nennt sie die Abstecher, wenn ein Privatflugzeug sie abholt und mal eben nach Zaire oder Saudi-Arabien jettet, damit sie dort schwerreichen Stammkundinnen eine Gesichtsmassage mit anschließender Feuchtigkeitsmaske verpassen kann. 

Eingestellt wurde Joëlle vor 40 Jahren noch von Maria und Rosy Carita, die den Salon 1946 gründeten. „Jede Frau ist schön!“, impften die Schwestern ihren Mitarbeiterinnen ein. Ein Credo, das bis heute die mehr als 30 Angestellten motiviert, ihr Bestes zu geben. 

Die gelernten Friseurinnen zogen mit ihrem Carita-Stil scharenweise berühmte Kundinnen an. Der Pferdeschwanz von Brigitte Bardot, der Raspelschnitt Jean Sebergs für den Film „Außer Atem“, der Chignon von Irans früherer Kaiserin Farah Diba und der Helm von Mireille Mathieu – alles von Maria und Rosy Carita entworfen. 

Das kreative Duo, das aus einer einfachen spanischen Familie stammte, bot mehr als neue Frisuren. Ein strahlender Teint und lackierte Fingernägel waren für sie die konsequente Ergänzung zu einem schönen Haarschnitt. 

Davon profitiert inzwischen der japanische Kosmetikkonzern Shiseido, der das Geschäft 1986 von den Erben der Schwestern erstand und mit dem Namen Carita eine Kosmetikserie vermarktet. Das japanisch gehaltene Ambiente des Salons hätte den beiden Gründerinnen sicher gefallen. Sie hatten ein Faible für das fernöstliche Land. Auf einer ihrer Reisen durch Japan durften sie sogar einmal Kaiser Hirohito die Haare schneiden. 

Joëlle führt durch den Schönheitstempel, der sich über drei Etagen erstreckt. Die Räume unterm Dach sind Gymnastik- und Meditationsübungen vorbehalten. Im Stockwerk darunter ist Platz für Massage- und Ganzkörperbehandlungen. Über eine Freitreppe vom Erdgeschoss aus sind die Kabinen für die Gesichtspflege zu erreichen. Gleich hinter dem Empfang liegt der große Friseursalon. 

Neben den Frauen lassen sich bei Carita auch immer mehr Männer stylen. „Erst schicken uns die Frauen den Angeheirateten“, sagt Joëlle, „dann ihre Liebhaber und schließlich ihre heranwachsenden Söhne.“ In der Kabine, fügt sie hinzu, „sind alle gleich“. 

Angelika Ricard-Wolf 

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