Archiv: Härtere Gangart

Deutsche Lufthansa » Großkunden streiten um Konventionalstrafen. 

Im Vergleich zu vielen seiner Kollegen gilt Josef Bogdanski , Direktor Vertrieb Deutschland und Global Key Accounts der Deutschen Lufthansa, eher als Raubein mit geringen Ambitionen zu diplomatischem Wohlverhalten. Umso mehr fiel auf, dass sich der ranghöchste Lufthansa-Verkäufer im deutschen Markt bei der jüngsten Diskussion des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) über Vertriebsfragen zurückhielt. „Der hatte eindeutig Kreide gefressen“, wunderte sich ein Travel-Manager. 

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Bogdanski will jede zusätzliche Provokation vermeiden, da das Verhältnis zu vielen Großkunden ohnehin angespannt ist. Der Streit entzündet sich an den Konventionalstrafen, die fällig werden, wenn Großkunden in einem bestimmten Zeitraum weniger Tickets kaufen, als in den bilateral ausgehandelten Firmenverträgen festgelegt wurde, die ursprünglich vereinbarten Rabatte aber schon in Anspruch genommen haben. Bisher mussten die Großkunden von Airlines nur selten Konsequenzen fürchten, wenn sie ihr veranschlagtes Ticketkontingent nicht ausschöpften. „In den vergangenen Jahren verlief die Preisbildung im Luftverkehr häufig so dynamisch, dass die vereinbarten Ticketpreise trotz großzügiger Rabatte von den Marktpreisen unterlaufen wurden“, sagt VDR-Präsident Michael Kirnberger . Doch nun schlägt die Lufthansa offenbar eine härtere Gangart ein. Die betroffenen Großkunden erbost vor allem, dass die Lufthansa angeblich auf die Eintreibung der Malusforderungen verzichten will, wenn sofort ein neuer Vertrag unterschrieben wird. „Uns bleibt nicht genug Zeit, um die Verträge von der Rechtsabteilung prüfen zu lassen“, beschwert sich ein Travel-Manager aus Süddeutschland. Die Lufthansa weist die Vorwürfe zurück und bestreitet, dass sich an der Vertragsgestaltung etwas geändert hat. Wenn der Vertragspartner die vereinbarte Menge nicht erbringe, würden wie in der Vergangenheit unterjährige Anpassungen oder Rückzahlungen vorgenommen, teilt die Lufthansa mit. „In anderen Branchen werden Rabatte ohnehin nur eingeräumt, wenn von vornherein eine bestimmte Menge bezogen wird“, sagt Bogdanski, „warum sollten Firmen beim Einkauf von Flugreisen besser gestellt werden als beim Einkauf aller übrigen Produkte?“ 

hans-juergen.klesse@wiwo.de 

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