Hans W. ReichVorstandssprecher der KfW Bankengruppe

Archiv: Hans W. ReichVorstandssprecher der KfW Bankengruppe

Als der Chef der KfW Bankengruppe Anfang dieser Woche das geplante Kreditprogramm für Studenten vorstellte, war ihm größte Aufmerksamkeit sicher. Zwar hatte die Frankfurter Staatsbank schon seit einem Jahr an dem Konzept gearbeitet, doch seine besondere Brisanz erhielt es dadurch, dass das Bundesverfassungsgericht ein paar Tage zuvor die Einführung von Studiengebühren erlaubt hatte. KfW-Chef Hans W. Reich beeilte sich klarzustellen, dass es bei seinem Programm eben nicht um die Finanzierung von Studiengebühren gehe, die Studenten dürften die KfW-Kredite im Grunde nach Belieben verwenden. Dabei witterte der Staatsbanker wohl bereits, dass das Kreditprogramm im Regierungslager durchaus heikel werden könnte. Schließlich bestimmen in der SPD bisher noch jene die Parteilinie, die Studiengebühren ablehnen. Dass ausgerechnet die Staatsbank unter einer rot-grünen Bundesregierung als Finanzierer solcher Gebühren einspringt, hätte Reich von den Genossen schnell den Vorwurf der Beihilfe zu einer falschen Politik einbringen können. Die Studenten hingegen dürften sich freuen: Sie erhalten ganz ohne Sicherheiten maximal 650 Euro pro Monat – unabhängig vom Bafög – und können so schneller studieren, weil sie nebenher nicht für den Lebensunterhalt jobben müssen. Den Kredit bekommen nicht nur Studenten renditeträchtiger Fachbereiche wie Jura oder Medizin, sondern jeder Studierende unabhängig vom individuellen Kreditausfallrisiko. Der Kredit wird marktüblich verzinst, derzeit sind 5,1 Prozent im Gespräch, die Rückzahlung erfolgt nach dem Studium. Und wer ein besonders gutes Examen macht, zahlt sogar weniger zurück. Reich sieht die Staatsbank durch das Programm nicht in einem unfairen Wettbewerb mit den privaten Banken. „Private Institute haben all die Jahre kein Interesse an der riskanten Studienfinanzierung gehabt. Hier haben wir klassisches Marktversagen“, sagt der 63-Jährige. 10 000 Darlehen pro Jahr will der KfW-Chef vergeben – und wird so zum obersten deutschen Bildungsfinanzierer. Eine neue Aufgabe für die Staatsbank: Nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um mit Geld aus dem Marshall-Plan den Wiederaufbau zu finanzieren, investiert sie künftig in die Köpfe. „Unser Auftrag ist die Förderung der deutschen Wirtschaft und des Standorts Deutschland“, sagt Reich. „Das heißt in Zukunft vor allem auch Bildungsförderung.“ Wie wichtig Bildungskapital ist, weiß Reich, der nie studierte, aus eigener Erfahrung: Vom Lehrling der Dresdner Bank arbeitete er sich bis an die Spitze der KfW empor. Peter Leo Gräf 

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