Hauch von Unsterblichkeit

Archiv: Hauch von Unsterblichkeit

Dr. Helmut Hofmann, 54, Kieferorthopäde in Neumarkt in der Oberpfalz, gilt als der größte Privatsammler historischer Maybach-Automobile. Seit 2003 ist der Oldtimer-Liebhaber auch Präsident des 1966 von Michael Graf Wolff Metternich gegründeten Maybach-Clubs. Die Maxime des bekennenden Ästheten: „Was einmal schön war, bleibt auch schön.“ 

Fast jeder Zehnte der weltweit 158 historischen Maybachs gehört Ihnen. Wollen Sie ein Vermögen anhäufen? 

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Mit dem Sammeln alter Autos verdient man kein Geld. Das ist wie mit Häusern: Man verdient nur, wenn man verkauft. 

Haben Sie noch nie verkauft? 

Doch, meinen allerersten Maybach habe ich verkauft. Er war verhunzt, schlecht restauriert. Trotzdem bereue ich es heute. Immerhin ist er in guten Händen, was mich freut. 

Was bezaubert Sie so an den alten Maybachs? 

Da spielt vieles zusammen: das Aussehen, die technischen Glanzlichter, der Nimbus. Die Liste der Vorbesitzer liest sich wie ein „Who’s who“: Kronprinzessin Cäcilie von Preußen, Kaiser Heile Selassi von Äthiopien, Max Schmeling, Gustav Fröhlich, Professor Hugo Junkers, der Konstrukteur der legendären Ju-52. 

Wann hat es bei Ihnen gefunkt? 

Ich habe mich immer für alte Autos interessiert. Als Student fuhr ich einen alten Mercedes 170. Dann sah ich bei einem Freund in der Garage den ersten Maybach. Er hatte jahrelang um ihn buhlen müssen. Die Vorbesitzerin war eine alte Dame, die in Ostberlin lebte, und er fuhr immer wieder hin, verwöhnte sie mit Blumen usw., bis er endlich den Maybach bekam – zum regulären Preis natürlich. 

Was kostet ein Maybach? 

Eine Ruine kriegt man fast geschenkt . . . Aber dann kommt die Restaurierung. Die kann zehn Jahre dauern. Ich vergleiche das immer mit der Restaurierung einer Freskendecke: Da braucht es Spezialisten und viel Zeit. Michelangelo durfte man auch nicht unter Druck setzen. Es ist ja alles von Hand gemacht, jedes Blech mit dem Hammer geklopft. Nicht umsonst hieß das Unternehmen Maybach Manufaktur. Dort wurden in 20 Jahren nur 1750 Fahrzeuge angefertigt. So viel produzieren große Autofirmen heute an einem Tag. 

Sie kooperieren mit einem Mechaniker, der noch bei Maybach gelernt hat? 

Er hat bei dem ehemaligen Maybach-Obermeister gelernt und immer mit ihm repariert. Er ist eine große Hilfe. Allein an der Instandsetzung eines Motors arbeiten drei Leute; um das Verdeckgestänge aufzuarbeiten, kommt der Wagen wieder in eine andere Werkstatt. Ich bin derjenige, der alles koordiniert – und zahlt. 

Wie viel unterm Strich? 

Die Faustregel lautet: so viel wie für ein gutes Haus in guter Lage in einer guten Stadt. Der Maybach war immer ein Luxusautomobil; der ebenfalls legendäre Horch hat nicht einmal ein Drittel des Preises gekostet. 

Wie kommt man an einen alten Maybach? 

Der Kreis der Besitzer und Sammler ist klein und überschaubar. Außerdem ist jedes Exemplar in einem Maybach-Register verzeichnet, vergleichbar dem Köchelverzeichnis für Mozartwerke. Ich kam 1988 an meinen ersten Maybach, ein Pullman-Cabriolet, indem ich mit einem bekannten Sammler, der damals als Maybach-Papst galt, die Liste der Besitzer durchgegangen bin. Er tippte auf einen, der bald verkaufen würde, und so war es dann auch. Nach dem Fall der Berliner Mauer kamen später plötzlich mehrere Maybachs auf den Markt, die nach dem Krieg von der russischen Armee mitgenommen worden waren. Von einem Händler habe ich fünf gekauft, manche in erbarmungswürdigem Zustand. Die waren in der damaligen DDR bis zum Schluss gefahren worden, da wurde viel Technik ausgetauscht. Am Ende wurden die Reste auseinander genommen und in eine Kiste gepackt. Wenn man so ein Skelett aus der Kiste holt, das ist wie ein archäologischer Fund. 

Was halten Sie von dem neuen Maybach, der 2002 auf den Markt kam? 

Super! Das ist das beste Auto der Welt! Natürlich hätte ich das auch gern. Aber so ein Auto zieht Neid auf sich, deswegen werden die meisten außerhalb von Deutschland verkauft. Bei alten Autos ist das anders: Da hat man die Sympathien der Oldtimerliebhaber. 

Ihr Lieblings-Maybach? 

Ich mag sie alle gleich gern, wie Kinder. Aber beim Publikum kommen die Cabriolets am besten an, weil sie am elegantesten sind. Das merken wir bei der traditionellen Maybach-Ausfahrt, die einmal im Jahr stattfindet, und bei vielen anderen Veteranentreffen. 

Wie schnell ist ein alter Maybach? 

Auf der Autobahn 120 bis 140 km/h. Aber richtig schön und auch angemessen ist es, mit offenem Dach mit 60 bis 80 km/h über Land zu fahren. 

Wie oft kommen Ihre Maybachs an die Luft? 

Fahrbereit sind erst sechs, die anderen werden noch restauriert. Außer mir fahren auch meine Frau und meine beiden Söhne. 

Werden Ihre Kinder die Sammlung fortsetzen? 

Mein Traum ist es, alle meine Maybachs im Rahmen einer Stiftung, ergänzt durch Leihgaben, in einem Museum unterzubringen. Jeder möchte ja, dass etwas von ihm bleibt nach dem Tod. Wenn man so will, versuche ich, mit meiner Maybach-Sammlung ein wenig Unsterblichkeit zu erlangen. 

Charlotte Seeling 

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