Archiv: Held oder Märtyrer

Cnooc » Das Kaufangebot des chinesischen Staatsunternehmens für den US-Energiekonzern Unocal sorgt für Wirbel. 

Mangelnden Mut kann Fu Chengyu niemand vorwerfen. Mit einem aggressiven Angebot sagte der Chef der China National Offshore Oil Corporation (Cnooc) vergangene Woche Amerikas Ölriesen den Kampf an. 18,5 Milliarden Dollar in bar bot er für den kalifornischen Energiekonzern Unocal – das mit Abstand größte Übernahmeangebot eines chinesischen Unternehmens bisher. Der US-Konkurrent Chevron, immerhin die Nummer sechs auf der „Fortune“-Liste der 500 größten Unternehmen, will nur 16,4 Milliarden Dollar, das meiste davon in eigenen Aktien, für Unocal ausgeben. 

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Fu, der in Kalifornien studierte und mehrere Jahre für die amerikanische Ölfirma Phillips arbeitete, hat es in erster Linie auf Unocals Erdgas abgesehen. Drei Viertel davon liegen in Asien, vor allem in Indonesien, Thailand und Bangladesh, in günstiger Lage zur chinesischen Ostküste, wo Cnooc derzeit zehn riesige Terminals für verflüssigtes Gas baut. Fus Plan passt perfekt zu den Plänen Pekings: Die Sicherung des Energienachschubs hat für Chinas Regierung oberste Priorität (siehe Seite 108). Fu kann denn auch sicher sein, dass Peking sein Gebot auch finanziell unterstützt. Zwar ist Cnooc seit 2001 an der New Yorker Börse gelistet, gehört jedoch über eine Holding zu 70,6 Prozent weiter dem Staat. 

Doch das kann jetzt zum Problem werden: In Washington kündigten bereits mehrere republikanische Kongressabgeordnete an, Unocals Verkauf an ein chinesisches Staatsunternehmen aus geostrategischen Gründen stoppen zu wollen. Fu erwägt, selbst in die US-Hauptstadt zu reisen und im Kongress für sein Unternehmen zu werben. Seine Zahlen immerhin können sich sehen lassen: Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn um 40 Prozent auf 1,96 Milliarden Dollar, bei einem Umsatz von 4,46 Milliarden Dollar. Dennoch kann Fu die Übernahme nicht allein stemmen, sondern muss sich in großem Umfang beim chinesischen Staat verschulden. Das chinesische Barangebot hat außerdem für die Unocal-Eigentümer einen Nachteil: Beim Verkauf an Cnooc würde sofort eine Steuer fällig, für Chevron-Aktien dagegen erst, wenn diese weiterveräußert würden. Die Chevron-Offerte könnte zudem schneller abgewickelt werden. David Hurd von der Deutschen Bank in Hongkong ist dennoch überzeugt: „Wenn die Volksrepublik China Unocal kaufen will, dann tut sie das auch.“ Cnooc-Chef Fu ist sich nicht so sicher. Er hält es für möglich, dass der Deal am politischen Widerstand in den USA scheitert: „Entweder werde ich ein Held oder ein Märtyrer.“ 

frank.sieren@wiwo.de | Peking 

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