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Vittorio Tabacchi » Der Chef des italienischen Luxusbrillenherstellers Safilo will mit dem Börsengang die Spuren eines Bruderkampfes tilgen. 

An Mut zum Risiko fehlte es Vittorio Tabacchi noch nie. In jungen Jahren war er Rennpilot bei Porsche, und heute stellt er Luxusbrillen her. Das Wagnis, das er vor vier Jahren mit dem kostspieligen Rauswurf seiner beiden Brüder aus dem Familienunternehmen Safilo einging, hätte leicht ins Auge gehen können. 1,2 Milliarden Euro kostete es Tabacchi, den ruinösen Familienfehden um die Unternehmensstrategie 2001 ein Ende zu setzen. Nach der Auszahlung seiner Brüder Giuliano und Dino nahm er Safilo in einem Leveraged Buyout von der Börse. Nun soll das Comeback auf dem Mailänder Parkett die erfolgreiche, aber hoch verschuldete Schmiede von Trendgestellen aus dem norditalienischen Padua finanziell auf solide Beine stellen. 

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Der Safilo-Erbe nimmt in Kauf, dass dabei der bisherige Familienanteil von 55 Prozent auf gut 38 Prozent sinkt. Ins Boot holen möchte er auch einige seiner illustren Lizenzgeber: Partner wie Giorgio Armani, Diesel-Gründer Renzo Rosso und der Luxuskonzern LVMH, der Dior-Brillen von Tabacchi fertigen lässt, könnten „im Zuge der Aktienofferte einen kleinen Anteil erstehen“, sagt der 66-jährige Safilo-Präsident. 

Die Zeichnungsfrist für den größten diesjährigen Börsengang eines privaten Unternehmens am Mailänder Finanzplatz begann am vergangenen Montag und endet am 2. Dezember. Der Wert der Platzierung wird zwischen 672 und 980 Millionen Euro liegen. Den 940 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr standen zum 30. September 2005 noch Nettoverbindlichkeiten von 817 Millionen Euro gegenüber. Sie sind das bleierne Erbe der Dynastiekämpfe im Hause Tabacchi. Die Aktienplatzierung soll nun dem Investor Credit Suisse First Boston, der derzeit knapp 45 Prozent hält, nach drei Jahren den Rückzug aus Safilo ermöglichen. Zudem will Tabacchi die Schulden auf 400 Millionen Euro drücken, um Handlungsspielraum zurückzugewinnen. 

Nach gelungener Restrukturierung macht Safilo seit 2004 wieder Gewinn. Mit durchschnittlich neun Prozent lag das Wachstum in den vergangenen drei Jahren über dem Schnitt in der Luxusbranche. Safilo produziert die Brillengestelle von 30 Designerlabeln und fünf Hausmarken. Als Erster kam 1990 Gucci unter Vertrag. Jüngster Partner ist Hugo Boss. Der Neuzugang aus Schwaben soll von 2007 an einen Umsatz von 50 Millionen Euro garantieren. 

ulrike.sauer@wiwo.de | Rom 

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