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Marseille-Kliniken » Hat das Unternehmen die Bilanz gefälscht? Der Staatsanwalt ermittelt. 

Der Mann ist streitbar und klagefreudig. Wer Ulrich Marseille , Aufsichtsratsvorsitzender und Mehrheitsaktionär der Marseille-Kliniken, in die Quere kommt, muss sich auf schweres Geschütz gefasst machen. Doch nun ist der Klinik-Gründer selbst unter Beschuss geraten: Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt wegen des Verdachts der Bilanz- und Urkundenfälschung. 

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Unter dem Aktenzeichen 5 Wi JS 1365/04 geht sie der Frage nach, ob die Marseille-Kliniken ihr Tochterunternehmen TD Trump Deutschland, mit dem sie Hochhausprojektein Deutschland verwirklichen wollten, richtig bilanziert haben. 

Nach Paragraf 331 HGB machen sich Vorstand und Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft strafbar, wenn sie die wirtschaftlichen Verhältnisse einer Gesellschaft bewusst falsch wiedergeben. Weil der Vorstand der Marseille-Kliniken in Hamburg sitzt, wird die Staatsanwaltschaft Berlin das Verfahren zur weiteren Bearbeitung jetzt nach Hamburg überweisen. 

Die WirtschaftsWoche hatte bereits im November 2003 (Heft 46/2003) Zweifel an der korrekten Bilanzierung bei den Marseille-Kliniken angemeldet. Laut Geschäftsbericht ist TD Trump ein Gemeinschaftsunternehmen der Kliniken mit dem New Yorker Immobilientycoon Donald Trump , dem man seine 50-prozentige Einlage in Höhe von zwei Millionen Euro vorfinanziert habe. Interne Dokumente der Klinikgruppe, hatte die WirtschaftsWoche seinerzeit geschrieben, legten jedoch nahe, dass TD Trump eine hundertprozentige Tochter der Marseille-Kliniken sei und die Forderung gegenüber Trump eine „Luftnummer“. Dagegen hatten die Marseille-Kliniken geklagt. 

Das Landgericht Hamburg gab der WirtschaftsWoche Recht und schrieb in seiner Begründung: „Es gab durchaus hinreichenden Anlass ..., daran zu zweifeln, ob die in den Geschäftsbericht eingestellte Forderung gegen Trump tatsächlich bestand oder lediglich eine Luftnummer war“. 

Nachdem auch das Hamburger Oberlandesgericht in der Berufungsinstanz erklärte, sich der Argumentation in diesem Punkt anschließen zu wollen, erklärten beide Parteien das Verfahren für erledigt. Die Kosten tragen die Marseille-Kliniken. 

b.haacke@wiwo.de 

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