Archiv: Hoffnungsträger

Der Beitrag über Deutschlands Nachwuchsökonomen ist sehr zu begrüßen. Die Rangliste von Hoffnungsträgern, die verstärkt auf empirische Methoden zur Analyse wirtschaftlicher Probleme setzen, lässt sich vermutlich noch erheblich erweitern, ohne die Würdigung der genannten Wissenschaftler damit schmälern zu wollen. Über die beiden zur Charakterisierung der Neuausrichtung der jungen Ökonomen hervorgehobenen Zwischenüberschriften sollte man allerdings noch einmal nachdenken. Die ordnungspolitische Debatte ist – von ideologischen Grundsatzdiskussionen abgesehen – wohl ein nachhaltig positiver Beitrag Deutscher Ökonomen, wenn man zum Beispiel nur an Walter Euckens Konzept einer Wettbewerbsordnung erinnert. Kritisch erscheint mir insbesondere die Hervorhebung: „Wir müssen uns vom Modell des Homo Oeconomicus verabschieden.“ Ökonomen müssen sich zwar vom Bild des absolut rational handelnden Menschen verabschieden, wie Kritiker der Ökonomik schon früher vielfach gefordert hatten. Die Renaissance öffentlicher Bedeutung der Wirtschaftswissenschaft resultiert aber wohl gerade daraus, dass eine Eigennutzorientierung des Verhaltens von Menschen immer wieder bestätigt wird – in der experimentellen Wirtschaftsforschung, in der Mikroökonomik und in mikrotheoretisch fundierten Analysen von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen, ebenso zum Beispiel auch bei Politik, Familie und Bevölkerungsentwicklung, kulturellen Institutionen und moralischen Regeln. Dabei kann die Eigennutzorientierung dann durchaus wechselseitige Solidarität (Reziprozität) oder die Einhaltung von Fairnessregeln beinhalten. 

Prof. Dr. Gerhard D. Kleinhenz,Lehrstuhl für Vokswirtschaftslehre Universität Passau 

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