Archiv: Im Abseits

Noël Forgeard » Nach mehreren Rückschlägen muss der EADS-Chef seine Pläne überarbeiten. 

Gut gelaunt spazierte Noël Forgeard am Dienstagabend durch die Dresden-Ausstellung im Schloss von Versailles und speiste danach mit 150 geladenen Gästen in der großartigen „Galérie d’Hercule“. Dabei hat der EADS-Chef eigentlich gar keinen Grund zu guter Laune. Sein Traum, nach dem Vorbild der EADS-Flugzeugtochter Airbus einen großen europäischen Satellitenhersteller zu formen, ist zerplatzt. Zudem kündigten die EADS-Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère den Verkauf großer Anteilspakete an, und ein Tag zuvor hatte die französische Justiz sein Büro durchsucht. Just während Forgeard die Ausstellung besuchte, kam vom Verwaltungsrat des Rüstungselektronik-Unternehmens Thales die Abfuhr. Stattdessen einigte sich Thales mit Alcatel. 

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Der Alcatel-Satellitenbauer Alcatel Alenia Space geht an Thales, im Gegenzug erhöht Alcatel seinen Anteil an Thales von 9,5 auf 21,6 Prozent. Die EADS-Raumfahrttochter Astrium muss draußen bleiben. Damit steht auch eine Beteiligung der EADS an Thales nicht mehr zur Diskussion. Nicht einmal seine guten Kontakte zu Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac halfen Forgeard. Thales wird nun selbst zum Nukleus der Neuordnung in Europas Rüstungselektronik. Thales-Chef Denis Ranque peilt darum schon neue Projekte an – mit der italienischen Finmeccanica, nicht mit EADS. 

Nächster Schlag: der angekündigte Teilrückzug der EADS-Aktionäre Lagardère und DaimlerChrysler – und das ausgerechnet in einer Phase, in der dem EADS-Geldbringer Airbus scharfer Wind entgegenweht. DaimlerChrysler will seinen Anteil von 30 auf 22,5 Prozent senken, Lagardère von 15 auf zunächst 7,5 Prozent. Frankreich wird seine 15 Prozent behalten und damit größer französischer Einzelaktionär. Spanien besitzt 5,5 Prozent, der Rest ist breit gestreut. Führungskämpfe in der Vergangenheit haben gezeigt, dass Paris seinen Einfluss auf den Konzern rigoros nutzt – für sich und nicht immer zum Wohle des Unternehmens. Thales-Chef Ranque kam nach der Sitzung des Verwaltungsrats übrigens gut gelaunt nach Versailles und setzte sich an den Tisch von Forgeard. 

gerhard.blaeske@wiwo.de | Paris 

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