Archiv: Im Risiko

Hans Rudolf Wöhrl » Berauscht vom Erfolg seiner DBA investiert der Flugunternehmer bei der LTU erstmals eigenes Geld. Doch die Sanierung stockt. 

Als der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl vor drei Jahren von British Airways deren angeschlagenen Deutschlandableger DBA übernahm, zahlte er dafür nur einen Euro. Mehr verlangte auch der Handelskonzern Rewe nicht, als er Wöhrl Anfang Juni seine Anteile am Ferienflieger LTU überließ. Dennoch unterscheiden sich die Käufe grundsätzlich. Von British Airways erhielt Wöhrl damals eine Mitgift von 70 Millionen Euro. Zudem fand er in Lutz Helmig, dem Gründer der Helios-Klinikkette, einen potenten Investor. Darum gilt die Linie nach zwei erfolgreichen Jahren als weit gehend saniert. Berauscht von diesem Erfolg hat Wöhrl bei der LTU mehrere Millionen investiert, und zwar über seine Holding Intro, die sich sonst vor allem an Softwareunternehmen oder Immobilien beteiligt – sein erstes Fluginvestment, seit ihn Anfang der Neunzigerjahre sein Nürnberger Flugdienst (NFD) in wirtschaftliche Probleme brachte. Als Wöhrl im Februar überraschend die ersten LTU-Anteile kaufte und die Führung übernahm, versprach er für 2006 ein ausgeglichenes Ergebnis. Doch daraus wird nichts. Interne Prognosen gehen inzwischen von einem Minus für das laufende Geschäftsjahr in Höhe von 20 Millionen Euro aus. Seit 1998 hat die LTU damit nach Schätzungen mehr als eine halbe Milliarde Euro verbrannt. In die Bredouille kam Wöhrl, weil die Beschäftigen – allen voran die Piloten – sich nicht auf seine ersten Forderungen einlassen mochten. Er verlangte eine einjährige Gehaltskürzung nebst befristetem Verzicht auf das 13. Monatsgehalt. Die Piloten wiesen darauf hin, dass sie in den vergangenen Jahren auf bis zu 40 Prozent ihres Gehalts verzichtet und der LTU so die niedrigsten Arbeitskosten aller deutschen Fluggesellschaften beschert hatten. Bevor sie zu weiteren Zugeständnissen bereit sind, solle Wöhrl ein detailliertes Konzept für die LTU vorlegen. Nun will er zunächst die Arbeitsabläufe am Boden und in der Verwaltung neu ordnen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt er nicht mehr aus. Von dem Plan, aus seinen Airlinebeteiligungen einen Billigflieger für Langstrecken zu formieren, blieb nicht viel. Zunächst beschränkt sich das Vorhaben darauf, dass die DBA auf der Kurzstrecke wächst und dabei auch die defizitären kleineren LTU-Flieger einsetzt. Die LTU selbst soll sich mehr und mehr auf Langstrecken konzentrieren. Dafür wird die Flotte um zwei Maschinen aufgestockt. Sollte die Sanierung der LTU scheitern, ist Wöhrls Risiko begrenzt. Weiteres Geld will er nicht nachschießen. „Das ist nicht unsere Politik“, sagt er. Bei einer Insolvenz wäre das investierte Geld wohl weg. Doch eine weiter gehende Haftung gibt es nicht. 

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