„Immer freundlich“

Archiv: „Immer freundlich“

Guy Wyser-Pratte » Der amerikanische Investor über sein Image und seine Pläne nach dem Einstieg bei Vossloh. 

Warum ist Deutschland für Sie als Investor so reizvoll? 

Wir sind nicht nur in Deutschland aktiv. Wir haben uns auch schon in Frankreich engagiert, bei der Champagnermarke Taittinger, in Belgien, in den Niederlanden. Wir sind überall unterwegs. In Italien schauen wir uns noch nach einem geeigneten Partner um, denn das ist wirklich ein Minenfeld. Die Italiener sind, was Aktionärskultur angeht, ganz weit hinten. Es gibt sicher in Europa noch viele verschlafene Gesellschaften, bei denen man die Manager davon überzeugen muss, Risiken einzugehen und wachstumsorientierter zu arbeiten. 

Anzeige

Sie werden nicht immer willkommen geheißen. 

Das hat sich geändert. Wir haben Glaubwürdigkeit aufgebaut. Besonders durch unser Engagement bei IWKA. Dort kam, nachdem wir den Vorstand und große Teile des Aufsichtsrats ausgetauscht hatten, der Chef der Arbeitnehmerseite zu mir und bedankte sich dafür, dass wir Jobs gerettet haben. Ich glaube, die Leute trauen uns jetzt. Wir kommen nicht, um jemandem zu schaden, wir wollen keine Leute feuern, keine Gesellschaften liquidieren, wir betreiben keine Übernahmen. Wir wollen Sachen nur anders organisieren, restrukturieren, sodass jeder davon profitiert. Und das alles mit einer kleinen Position. Wir wollen helfen, einen Wandel herbeizuführen, immer freundlich, im Einvernehmen. 

Wie finden Sie Ihre Zielobjekte? 

Bei Vossloh erhielt ich den Hinweis von einer Person, die das Unternehmen sehr gut kennt und mich auf das Potenzial hinwies. 

War es ein Mitglied der Familie Langenbach, mit rund 30 Prozent größter Aktionär dort? 

Nein. Eine in sich zersplitterte Familie, bei der einige verkaufen wollten, das war etwa bei Rheinmetall der Fall. Da hat es unzufriedene Aktionäre gegeben, die mit uns eine Koalition der Willigen – wie ich es nenne – gebildet haben. Bei Vossloh ist das, glaube ich, nicht der Fall. Aber sie sehen sicher alle gerne den Wert der Aktien steigen. Ich wäre nicht überrascht, wenn die Familie unseren Plänen zustimmt, wenn ich die Chance bekomme, mit ihr zu sprechen. Ich bin in den nächsten zwei Monaten in Cannes, in Südfrankreich. Das ist nicht sehr weit von Deutschland entfernt. Es wird sicher bald Gesprächstermine geben. 

Sie liegen mit ihrer Investition von rund 20 Millionen Euro im Minus, weil der Vossloh-Vorstand eine zweite, unerwartete Gewinnwarnung herausgegeben hat und der Kurs abstürzte. War das nicht der Grund für die frühe Bekanntgabe Ihrer Beteiligung von nur drei Prozent? Sie wollten einen weiteren Kursabsturz verhindern. 

Also wir liegen etwa auf unserem Einstiegsniveau, wenn man berücksichtigt, dass wir Ende Mai 1,30 Euro Dividende pro Aktie kassiert haben. Wir haben unsere Mitteilung über Vossloh morgens um neun Uhr herausgegeben, mittags um eins hat die deutsche Regierung einen Gesetzentwurf verabschiedet, der eine Veröffentlichungspflicht bereits bei einer Schwelle von drei Prozent vorsieht. Ich hatte von vornherein geplant, unsere Beteiligung schon bei drei Prozent publik zu machen. Wir wollen einfach nur good citizens sein und geben unsere Absichten deshalb früh bekannt. 

Analysten stuften Vossloh nach der zweiten Gewinnwarnung herunter. Ein Kurssturz drohte. Sie haben ihn durch die Veröffentlichung verhindert. 

Die zweite Gewinnwarnung war unnötig. Das war ein Sturm im Wasserglas. Ich habe auch eine Theorie, warum der Vorstand das machte, aber ich habe noch keine Beweise dafür, deshalb werde ich mich dazu noch nicht äußern. 

Hat das Management Wind von Ihrem Einstieg bekommen? Oder sind Hedgefonds dabei? 

Ich kann das nicht erkennen. 

Sie loben das Vossloh-Management, fordern aber gleichzeitig drastische Veränderungen. 

Veränderungen bedeuten nicht notwendigerweise ein Austauschen des Managements. Sie müssen sich fokussieren, die Struktur der Gesellschaft verbessern. Sie sollten bestimmte Bereiche in effizientere Hände geben, andere Bereiche ausbauen. Sie sind die Besten im Schienengeschäft. Stellen Sie sich nur einmal vor, sie könnten die Amerikaner davon überzeugen, die bisher hier benutzten Holzbefestigungen der Schienen durch solche aus Stahl von Vossloh zu ersetzen. Das wäre ein Riesengeschäft. 

Werden Sie einen Sitz im Vossloh-Aufsichtsrat anstreben? 

Nein, das bezweifle ich. Und das ist auch noch zu früh. Obwohl, vielleicht wäre es an der Zeit für mich, in Deutschland eine solche Position zu übernehmen. Für eine solche Funktion müsste ich erst einen Crashkurs in Deutsch nehmen. Meine Mutter war aus Graz.Es ist ja irgendwie in meinem Blut. 

andreas.henry@wiwo.de | New York 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%