In inniger Feindschaft

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Oracle » Die Übernahme des Konkurrenten Siebel erhöht vor allem den Druck auf Microsoft. 

Als Oracle-Chef Larry Ellison Anfang der Woche verkündete, er wolle für 5,85 Milliarden Dollar den Wettbewerber Siebel Systems übernehmen, klang das wie eine erneute Kampfansage an den deutschen Konkurrenten SAP, Weltmarktführer bei Unternehmenssoftware. Der Deal dürfte aber vor allem Microsoft unter Druck setzen. 

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Schon heute sei Microsoft im Geschäft mit Unternehmenssoftware „meilenweit von Gewinnen entfernt“, sagt Jochen Klusmann, Aktienanalyst bei der BHF-Bank in Frankfurt. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte Microsoft mit Unternehmenslösungen gerade einmal rund 800 Millionen Dollar um, Oracle kommt mit Siebel auf rund 4,2 Milliarden Dollar, SAP erlöste gar 10,2 Milliarden Dollar. „In keinem seiner Geschäftsfelder ist Microsoft derart weit abgeschlagen“, sagt Klusmann. In seinen Augen bleiben dem weltgrößten Softwarekonzern nur noch zwei Möglichkeiten: „Entweder die steigen aus dem Geschäft aus, oder verstärken ihr Angebot noch einmal mit einer großen Übernahme.“ 

Microsoft-Boss Steve Ballmer hat bereits in der Vergangenheit versucht, sein Geschäft durch die Übernahmen der Softwarehäuser Great Plains und Navision zu stärken. Bisher sind die unterschiedlichen Produkte jedoch nicht in einem einheitlichen Softwarepaket integriert. Durch eine weitere Akquisition würde sich Ballmer daher ähnliche Probleme aufhalsen wie die, vor denen nun Ellison steht. Denn der Siebel-Kauf ist bereits die siebte Übernahme von Oracle innerhalb von zwölf Monaten. Allein für den Kauf des Wettbewerbers Peoplesoft legte Ellison rund elf Milliaden Dollar auf den Tisch. „Wie will Oracle alle Akquisitionen integrieren?“, fragt Knut Woller, Softwareanalyst bei der HVB in München. Darin steckt die große Herausforderung für Oracle in den nächsten zwei bis drei Jahren. „Wir gehen davon aus, dass es SAP gelingen wird, in den kommenden Quartalen weitere Kunden von Oracle zu gewinnen“, sagt Woller. Erst Anfang der Woche hatte SAP-Chef Henning Kagermann verkündet, seit Jahresbeginn habe er von seinem ärgsten Rivalen 27 Kunden abgeworben. 

Auch aus einem anderen Grund hat Kagermann einstweilen Grund zur Gelassenheit. Denn der Deal zwischen Oracle und Siebel markiert eine unerwartete Kehrtwende: Jahrelang waren Ellison und Siebel-Gründer Tom Siebel in inniger Feindschaft verbunden, die immer wieder in verbalen Scharmützeln gipfelte. Vor der Gründung seines eigenen Unternehmens war Siebel einer der Starverkäufer von Oracle. Weil der ausgewiesene Alphamann Ellison auf Dauer jedoch keine interne Konkurrenz neben sich duldete, schmissen Nebenbuhler wie Siebel irgendwann entnervt das Handtuch. Die Liste der „Little Larrys“, wie sie im Silicon Valley heißen, ist lang. Auch mit dem ehemaligen Peoplesoft-Chef und früheren Oracle-Mitarbeiter Craig Conway lieferte sich Ellison im Zuge des anderthalb Jahre dauernden Übernahmekampfes einen wortreichen Schlagab-tausch. Fraglich, wie sich Ellison und Siebel in Zukunft zusammenraufen wollen, um wieder an einem Strang zu ziehen. 

michael.kroker@wiwo.de 

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