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Ökosystem iPod: Rund um Apples Musik-Player und seinen Web-Shop iTunes ist eine eigene Zubehörindustrie entstanden. 

Die vier amerikanischen iPod-Fans schraubten und fummelten so lange, bis sie schließlich aus ihren Playern das erste externe Apple-Speichersystem der Welt gebastelt hatten. In Tokio spendierte ein iPod-Nutzer dem Player hingegen einen selbst konstruierten, robusten Aluminiumrahmen, damit seinem geliebten Musikmaschinchen beim morgendlichen U-Bahn-Gedränge bloß nichts passiert. Auf die Spitze trieb es der Norweger Yoak, der seine Freundin beim Tête-à-Tête im abendlichen Oslo mit einem 20-Giga-byte-iPod als Geschenk überraschte, den er zudem mit einer ganz besonderen Lasergravierung auf der Rückseite versehen hatte: „Ana My Love – Will you marry me?“ 

Keine Frage: Der iPod ist längst mehr als eine simple mobile Festplatte zum Musik hören oder Bilderspeichern. Apples kleiner, weißer Player ist zum absoluten Kultobjekt avanciert. Dieser unglaubliche Erfolg ist nur noch mit der Kaufhysterie vergleichbar, die der mit knatschorangefarbenen Kopfhörern bestückte erste Sony-Walkman Mitte der Achtzigerjahre ausgelöst hat. Der iPod wurde seit seiner Einführung 2001 mehr als zehn Millionen Mal an den Mann gebracht. Allein die 4,6 Millionen verkauften iPods von Oktober bis Dezember 2004 spülten 1,2 Milliarden Dollar in Apples Kassen – was nahezu ein Drittel des gesamten Konzernumsatzes ausmacht. 

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Im Unterschied zum Walkman hat sich um den iPod eine florierende Zubehörindustrie entwickelt, die alles bisher in der Unterhaltungselektronik da Gewesene in den Schatten stellt. Mitbewerber wie iRiver oder Rio versuchen mit großen Anstrengungen, wenigstens einen Teil des rapide wachsenden Umsatzkuchens zu erhaschen. Und obwohl deren Player dem iPod oftmals technisch überlegen sind, baut Apple seinen Marktanteil – nicht zuletzt dank der coolen Kleinteile – weiter aus. Allein die Sparte „Other Music Products“, die den Internetshop iTunes Music Store sowie iPod-Zubehör zusammenfasst, erwirtschaftete bei den kalifornischen Computerbauern im ersten Quartal dieses Jahres 177 Millionen US-Dollar Umsatz – fast eine Vervierfachung gegenüber dem ersten Quartal 2004. 

Doch der Erfolg des iPods sorgt längst nicht mehr nur bei Apple selbst für Freudensprünge: Von Bassverstärkern, Tragetaschen und Autozubehör über Designer-beutelchen von Luis Vuitton für schlappe 265 Euro bis hin zur Wandeinbauhalterung iPort (599 Euro) für zu Hause bieten Fremdhersteller inzwischen ein ganzes Universum an iPod-Spielereien an. Wie etwa bei Rainer Wolf, Chef des Internetshops iPodwelt.de. Der pfiffige Westfale sicherte sich vor Monaten die in der Welt von Apple enorm wertvolle Web-Adresse www.iPod.de, die auf seinen Shop weiterleitet und seitdem für Rekordumsätze sorgt. „iPod und Zubehör sorgen für gut ein Viertel unseres Umsatzes“, so Technikhändler Wolf. 

Pro Woche stellt der mittlerweile größte iPod-Zubehörvertrieb im Internet rund 100 neue Artikel ins Netz, die ihm die Apple-Fangemeinde dann ebenso schnell wieder abkauft. Bestes Beispiel: Die EarJams genannten Stöpsel der US-Firma Griffin Technology. Für 12,99 Euro sollen die simplen Gummistecker für mehr Bassvolumen und besseren Kopfhörer-Sound sorgen. Bereits nach wenigen Tagen flatterten mehr als 700 Bestellungen in Wolfs Shop. Der reißende Absatz stellt den Händler aus dem Dörfchen Rosendahl im Westmünsterland vor ein Problem: „Trotz neuer Zwischendecke kommen wir wegen des iPod-Erfolgs nicht mehr mit unseren Lagerkapazitäten klar.“ Nun lässt Wolf eine neue Lagerhalle bauen, damit er die gigantische Kundennachfrage befriedigen kann. 

Ebenso kräftig klingelt bei Archibald Horlitz die Kasse. Der Berliner ist Gründer und Geschäftsführer von Gravis, Deutschlands größtem Apple-Händler. Und a für ihn ist ein Ende der iPod-Hysterie noch lange nicht in Sicht – „im Gegenteil, das geht jetzt erst richtig los“, ahnt der Mann. Das vergangene Geschäftsjahr war bei Gravis das erfolgreichste seit der Gründung 1988, wesentlich beflügelt durch die Produkte für das kleine Musikmaschinchen. Die Produktpalette reichte dabei von bunten iPod Socks zum Schutz des Players für 28,99 Euro über die Infrarotfernbedienung Navipod und den Mikrofonaufsatz iTalk zum Preis von jeweils um die 50 Euro bis hin zu stylischen Sennheiser-Kopfhörern für rund 150 Euro. „Apple hat es geschafft, ein komplettes Ökosystem zu schaffen, das der Kunde liebt und das sich bestens miteinander ergänzt“, findet Horlitz. Die iPod-Hardware, das Download-Portal iTunes und das Zubehör seien „emotional gut aufeinander abgestimmt“. Zudem habe es Apple mit dem Design der Produkte geschafft, sich ganz neue Käufergruppen zu erschließen: „Der iPod hat zu einem Flächenbrand im Apple-Business geführt.“ 

Den Massenmarkt wird sich Apple künftig vor allem mit Produkten wie dem BeamDock erschließen, glaubt Branchenkenner Horlitz. Dabei handelt es sich um eine Art Dockingstation für den iPod, mit dem der Nutzer Musik über eine digitale Funkverbindung kabellos in der gesamten Wohnung verteilen kann. Aber nicht nur das: An die Station lassen sich dank eines weiteren Audioeingangs auch alternative Soundquellen anschließen. Das Konzept ist gewissermaßen eine Weiterentwicklung von Apples Airport Express, mit dem man schon heute Musik vom Computer drahtlos zur Stereoanlage transportieren kann. Das BeamDock des US-Herstellers Networx besteht aus zwei Komponenten: zum Einen aus der Empfangseinheit – selbstverständlich im klassischen iPod-Weiß-Design –, die man über ein Kabel mit der Hi-Fi-Anlage verbindet. Zum Zweiten aus dem eigentlichen Dock, in das der iPod eingesteckt wird und das Sendeweiten von mehr als 30 Meter ermöglichen soll. „In vielen Haushalten verstaubt die CD-Sammlung. Mit solch einer Station habe ich dank iTunes mein komplettes Material auf dem iPod und kann bequem drauf zugreifen und die ganze Wohnung bespielen“, sagt Horlitz und prognostiziert glänzende Verkaufszahlen für das 150 Euro teure BeamDock. 

Selbst die Stereoanlage kann man inzwischen ganz auf Apple umstellen. Denn auch Hi-Fi-Anbieter haben auf den Erfolg des Musikwinzlings reagiert. Edelhersteller Bose – im Design dem Apple-Stil ohnehin ähnlich – hat mit seinem SoundDock ein spezielles digitales Musiksystem für den iPod im Angebot. Mit seiner Hilfe wird aus dem Taschenspieler eine veritable Mini-Hi-Fi-Anlage in Edelweiß. Kosten: rund 380 Euro. Wettbewerber Harman Kardon setzt stattdessen auf den Klarsichtlook à la iMac: Soundsticks II sind ein Lautsprechersystem mit eingebautem Verstärker, bestehend aus einem Subwoofer für die Bässe und zwei Boxen für den Stereosound. Das transparente Set gibt’s für 150 Euro. 

Die Konkurrenz bleibt angesichts der Erfolge des iPods staunend zurück. Das führt bisweilen zu gänzlich unerwarteten Reaktionen: So führt IT-Übervater, Apple-Erzrivale und Microsoft-Gründer Bill Gates, gegenwärtig mit seiner „Plays for Sure“-Kampagne einen Feldzug gegen den vermeintlich bösen Monopolisten Apple und propagiert Microsoft als Garant für Offenheit und freie Wahlmöglichkeiten. Hintergrund der verkehrten Welt: Musik-Player, die mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows arbeiten, spielen die Kaufmusik der meisten Online-Musikläden ohne Probleme ab. Der iPod unterstützt dagegen neben dem gängigen MP3 zwar weitere Formate, aber nicht die Windows-Media-Dateien von Microsoft. Und bei den Musik-Downloads haben die iPod-Anwender bisher garkeine freie Wahl: Sie sind auf den iTunesMusic Store von Apple zwingend angewiesen. 

Was die Käufer aber nicht wirklich zu stören scheint – ganz im Gegenteil. Vor wenigen Wochen veröffentlichte Apple-Boss Steve Jobs die Bilanz seines Musikladens im Web: Rund 300 Millionen Songs haben dort bereits via Internet den Weg zum Anwender gefunden, bei Preisen ab 99 US-Cent für eine gängige Single. „Als wir vor zwei Jahren mit iTunes starteten, hofften wir darauf, eine Million Songs in den ersten sechs Monaten zu verkaufen“, sagt Jobs. „Das schaffen wir inzwischen jeden Tag.“ 

Sven Hansel 

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