Jedes Wort abgesprochen

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WMF » Die BaFin prüft, ob die Münchener Rück zusammen mit Deutscher Bank und Wüstenrot ein Übernahmeangebot vorlegen muss. 

Neun Jahre hielt das Bündnis der WMF-Aktionäre. Die drei Finanzkonzerne Münchener Rück, Deutsche Bank und Wüstenrot sowie Wolfgang Schuppli regelten in einem Poolvertrag Vorkaufsrechte und verteilten Aufsichtsrats-posten. Als das Abkommen 2003 aufgehoben wurde, warf Schuppli der Münchener Rück vor, sie habe sich mit Deutscher Bank und Wüstenrot abgestimmt und so die Kontrolle über WMF erhalten. Jetzt gab ihm das Oberlandesgericht München Recht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft, ob die drei Konzerne ein Pflichtangebot unterbreiten müssen. 

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Großaktionäre, die gemeinsam handeln und auf mindestens 30 Prozent der Stimmrechte kommen, müssen anderen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Münchener Rück, Deutsche Bank und Wüstenrot halten jeweils rund 17 Prozent am Küchenspezialisten. Schuppli kommt zusammen mit Angehörigen auf gut 33 Prozent der WMF-Stammaktien. Von der Münchener Rück forderte er zunächst einen Teilschadensersatz von 200 000 Euro. Beim Landgericht scheiterte Schuppli, erst vor dem Oberlandesgericht gewann er. Die Münchener Rück habe sich mit den beiden anderen Finanzgruppen abgestimmt und so die Kontrolle über WMF erlangt, urteilten die Richter. Weil es kein Übernahmeangebot gab, hätten die Investoren gegen das Übernahmegesetz verstoßen. Die Münchener Rück hat Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt. Beobachter vermuten, dass die BaFin zunächst das BGH-Urteil abwartet, bevor sie weitere Schritte unternimmt. Anzeichen für ein abgestimmtes Verhalten der drei Finanzinvestoren gibt es. So verhinderten sie vor der WMF-Hauptversammlung im Juni 2003, dass der Schuppli-Vertraute Wolfgang Müller als Nachfolger von Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Georg Krupp zum Aufsichtsratsvorsitzenden von WMF gewählt wurde. Münchener-Rück-Vorstand und WMF-Aufsichtsrat Heiner Hasford sorgte mit Krupp dafür, dass der gerade abgetretene WMF-Vorstandschef Rolf Allmendinger Aufsichtsratschef wurde. Hasford intervenierte kurz zuvor über Krupp bei Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann . Angeblich erreichte er, dass die Bank ihr WMF-Aktienpaket behielt. Krupp hatte Schuppli zuvor geschrieben, die drei Finanzkonzerne wollten sich, anders als Schuppli, der einen Käufer für sein WMF-Paket suchte, „zurzeit nicht von der von uns gehaltenen Mehrheit der Stammaktien an der WMF AG trennen“. In einem späteren Brief heißt es, diese Äußerungen seien „Wort für Wort“ mit Hasford und Wüstenrot-Chef Gert Haller abgestimmt gewesen. 

hauke.reimer@wiwo.de | Frankfurt 

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