Jetzt kommt es zum Schwur

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Marek Belka » Deutschland unterstützt den ehemaligen polnischen Ministerpräsidenten bei seiner Bewerbung um den OECD-Chefposten. 

Nach dem freiwilligen Rückzug der Japanerin Sawako Takeuchi ist der Entscheidungsprozess für die Wahl des neuen Generalsekretärs der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in seine heiße Phase getreten. Im Rennen um die Nachfolge des Kanadiers Donald Johnston, dessen Amtszeit im Mai 2006 ausläuft, sind nur noch der polnische Ex-Premier Marek Belka und der frühere mexikanische Finanzminister José Angel Gurría. 

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„Jetzt kommt es zum Schwur“, sagt ein OECD-Mitarbeiter. Nach Angaben eines Delegationsmitglieds beginnen nun in den Hauptstädten der OECD-Mitgliedsländer die Überlegungen, auf welchen der beiden Kandidaten man sich festlegen soll. Ein Favorit zeichnet sich bisher nicht ab. Mit Ausnahme der Deutschen, die Belka unterstützen, hat sich noch kein Schwergewicht für einen der Kandidaten ausgesprochen. Selbst die Europäer sind sich noch nicht einig. 

Eine Blockbildung zwischen den Kontinenten wäre allerdings ungünstig, weil dem Thinktank der Industriestaaten ohnehin Europalastigkeit vorgeworfen wird, die sich durch die Aufnahmewünsche mehrerer neuer EU-Staaten noch verstärken würde. Dennoch hat Belka den EU-Gipfel in Hampton Court dazu genutzt, für sich zu werben. Es gibt jedoch auch Europäer, die sich sehr angetan von den Auftritten des Mexikaners Gurría zeigen. Der habe „sehr gut abgeschnitten“, sagt ein Delegationsmitglied. Überhaupt schickten die Mexikaner im Gegensatz zu den Osteuropäern „immer Top-Leute zur OECD“. 

Die Chancen stehen gut, dass die Pariser Organisation wie geplant bis Anfang Dezember einen neuen Generalsekretär bestimmt. Erstaunt waren viele Gipfel-Teilnehmer nur über die Japaner. Nach drei Europäern und einem Nordamerikaner an der Spitze der OECD hätten sie gute Chancen auf den Posten gehabt. Doch Takeuchi, die Japan als Kandidatin ins Rennen schickte, überzeugte nicht. Das wurde schon bei der ersten Konsultationsrunde Anfang Oktober deutlich. 

Sie zeigte sich zwar eloquent, doch bemängelten die OECD-Mitglieder das fehlende politische Profil der Wissenschaftlerin. 

In der letzten Entscheidungsrunde kommt jetzt auch verstärkt die Politik ins Spiel. Zwar muss Konsens hergestellt werden. Doch entscheidend ist, wie sich die USA und Japan, die zusammen 50 Prozent des Haushalts finanzieren, positionieren werden. 

gerhard.blaeske@wiwo.de | Paris 

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