Jorma OllilaVorstandsvorsitzender von Nokia

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Noch einmal will sich der Chef des weltgrößten Handyherstellers Nokia nicht vorwerfen lassen, er habe einen wichtigen Branchentrend verschlafen. Darum überraschte Jorma Ollila Anfang dieser Woche Freund und Feind, als er eine Allianz mit dem Erzrivalen Microsoft verkündete. Die beiden High-Tech-Konzerne wollen die Dominanz des gemeinsamen Widersachers Apple im Geschäft mit digitaler Musik brechen. Solche taktischen Winkelzüge hat Ollila länger nicht gezeigt – und er musste das vielleicht auch gar nicht. Seitdem er 1992 mit 41 Jahren Chef von Nokia wurde, hat er den früheren Gemischtwarenladen binnen weniger Jahre zur Nummer eins bei Mobiltelefonen gemacht. Bis auf rund 40 Prozent baute Ollila den Weltmarktanteil aus, Nokia galt als unverwundbar – bis das Jahr 2004 anbrach. Mit einem Mal brach der Umsatz ein, die Gewinnkurve zeigte nach unten, und der Marktanteil sackte zum ersten Mal deutlich ab. Der Nimbus war dahin. Grund der Krise: Ollila hatte den weltweiten Trend hin zu Klapphandys verschlafen, ja sogar bewusst ignoriert. Denn Trend, so die lange Zeit gültige Denke in der Nokia-Zentrale, sei doch nur das, was man selbst konzipiert habe. Doch ähnlich schnell wie Ollila im vergangenen Jahr das Steuer herumriss und Nokia aus der Krise führte, prescht er nun in neue Märkte vor. Er will seine Handys künftig auch mit Microsoft-Software ausrüsten, die das Abspielen digitaler Musik ermöglicht. Damit sollen Kunden leichter ihre im Internet gekauften Musiktitel aufs Mobiltelefon überspielen und anhören können. Denn in einem stimmen die meisten Marktbeobachter überein: Der Walkman der Zukunft ist das Handy. Das hat auch Ollila erkannt und erhöht nun mit Microsoft den Druck auf den Apple-Konzern, der bisher das Geschäft mit digitaler Musik mit deutlichem Abstand dominiert. Apple wickelt in seinem Internetladen iTunes rund 70 Prozent des weltweiten Geschäfts mit Musikdownloads ab. Um dieses Geschäft auf den Mobilfunk auszudehnen, hatten sich die Kalifornier bereits im vergangenen Jahr mit dem US-Handyhersteller Motorola verbündet. Gegen diese Allianz positioniert Ollila nun seine Zweckehe mit Microsoft. Da der Vorstoß von Microsoft-Gründer Bill Gates ins Mobilfunkgeschäft bisher nicht besonders gelungen ist, willigte er ein. Und Nokia fühlte sich in seinem Stammgeschäft nicht länger durch Microsoft bedroht. Die Branche weiß, wie sehr sich Gates über den Erfolg von Apple-Chef Steve Jobs ärgert. Das, so glauben Experten, habe wohl geholfen, die Microsoft-Softwarelizenz günstig zu erwerben. Michael Kroker/Angela Hennersdorf 

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