Jürgen HambrechtBASF-Vorstandsvorsitzender

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Den Gazprom-Deal hatte Jürgen Hambrecht zur Chefsache erklärt. Anfang April reiste der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Chemieunternehmens BASF nach Moskau, um mit Gazprom-Chef Alexej Miller die letzten Details persönlich zu klären. Am Montag dieser Woche hatte der 58-Jährige dann seinen großen Auftritt auf der Hannover Messe. Im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichneten Hambrecht und Miller eine Grundsatzvereinbarung: Gazprom und die BASF-Tochter Wintershall werden gemeinsam das sibirische Erdgasfeld Yushno Russkoje erschließen und eine Pipeline durch die Ostsee nach Deutschland bauen. Erstmals beteiligt Russland damit einen ausländischen Kapitalgeber an der strategisch wichtigen Gasförderung. 

Mit dem Milliardengeschäft stach Hambrecht, für viele überraschend, die deutschen Energieriesen RWE und E.On aus, die auch mit dem größten Gasunternehmen der Welt verhandelt hatten. Vor allem E.On-Chef Wulf Bernotat, der über seine Tochter Ruhrgas mit 6,5 Prozent an Gazprom beteiligt ist, muss der Zuschlag für den kleineren Konkurrenten Wintershall schmerzen. Den Schmerz kann auch die offenbar von den Russen E.On eingeräumte Option, sich mit rund 25 Prozent an dem Joint Venture zur Ausbeutung von Yushno Russkoje zu beteiligen, nur wenig mildern. Hambrecht konterte kühl: „BASF ist und bleibt Gazproms Partner Nummer eins. Klar“ sei, dass in Yushno Russkoje „kein dritter Partner“ einen so großen Anteil haben werde wie die BASF. Klar ist auch, dass die Russen die Mehrheit behalten werden. Bleibt für E.On bestenfalls eine kleine Beteiligung. 

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Mit diesem Coup ist Hambrecht aus dem Schatten seines mächtigen Vorgängers Jürgen Strube herausgetreten, den er 2003 als BASF-Chef abgelöst hat. Die asiatischen Großprojekte wie der Bau eines neuen Standortes im chinesischen Nanjing wurden noch von Strube angestoßen, doch der Russland-Vertrag trägt ganz allein die Handschrift Hambrechts. Der Chemiker pflegt seit seinem Amtsantritt Kontakt zu Gazprom-Chef Miller; im vergangenen Jahr lud er den Russen an den BASF-Stammsitz Ludwigshafen ein. Die Beziehungen zwischen den Konzernen bestehen bereits seit 15 Jahren: Gemeinsam betreiben sie den deutschen Gashändler Wingas, an dem Gazprom jetzt als Gegenleistung seinen Anteil auf 50 Prozent minus einen Anteil aufstocken darf. 

Mit der Verstärkung der Gassparte schafft es Hambrecht, BASF von der Entwicklung der Rohstoffpreise unabhängiger zu machen: Steigen die Öl- und Gaspreise, muss die Chemiesparte des Konzerns zwar mehr für die Rohstoffe bezahlen, aber seine Energiesparte profitiert davon und gleicht den negativen Effekt zumindest teilweise wieder aus. a.ruess@wiwo.de 

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