Archiv: Kampf ums Kabel

Kai-Uwe Ricke » Der Vorstandschef der Deutschen Telekom zwingt die Konkurrenten zum Aufbau eigener Glasfasernetze. Hansenet macht den Anfang. 

Superschnelles Internet mitattraktiven Inhalten wie TV-Sendungen und Fußballbundesligaübertragungen – so will Kai-Uwe Ricke, Chef der Deutschen Telekom, verlorene Kunden zurückgewinnen. Drei Milliarden Euro will er insgesamt ausgeben, um die Infrastruktur aufzurüsten. In zehn deutschen Großstädten startet die Telekom noch in diesem Jahr eine Breitbandoffensive. Dabei geht es darum, Glasfaserkabel bis zu den Haustüren zu verlegen. Einzige Bedingung: Ricke will das Geld nur ausgeben, wenn den Konkurrenten der Zugang zu diesen neuen Kabeln zumindest für eine Übergangszeit verwehrt bleibt. In deutschen Großstädten droht deshalb ein Kampf um die Glasfaser im Ortsnetz. Bleibt die Telekom stur, will die Konkurrenz eigene Glasfaserleitungen verlegen. 

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Als erste deutsche Metropole dürfte Hamburg eine zweite flächendeckende Glasfaser-Infrastruktur bekommen. Noch in diesem Jahr will Hansenet-Chef Harald Rösch sein Glasfasernetz ausbauen und die Kabel über die lokalen Hauptverteiler hinaus bis vor die Haustüren verlegen lassen, damit über die neue VDSL-Technik Übertragungsraten von 50 Megabit pro Sekunde möglich werden. Die Verhandlungen mit der Hamburger Verwaltung laufen bereits. Offiziell steckt das Projekt zwar noch im Prüfstadium. Doch die Vorbereitungen seien weit fortgeschritten, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Investitionen machten nur Sinn, wenn Hansenet nahezu zeitgleich mit der Deutschen Telekom die Vermarktung der 50-Megabit-VDSL-Anschlüsse starte. Die Entscheidung hängt unter anderem davon ab, ob Hansenet bereits vorhandene Leerrohre mitbenutzen kann und eigene Kabelverteiler am Straßenrand aufstellen darf. Jeder vierte Hamburger Haushalt ist bereits Kunde von Hansenet, der deutschen Tochter der Telecom Italia (Marke: Alice). Bei DSL-Anschlüssen beträgt der Hansenet-Marktanteil 60 Prozent. 

Der Bundesverband der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften rechnet damit, dass weitere Unternehmen dem Beispiel von Hansenet folgen. So prüft auch Netcologne-Chef Werner Hanf die Erweiterung seiner Glasfasernetze in Köln. Der Verband sieht sich bereits als Dachverband alternativer Glasfaserbetreiber. Die dort zusammengeschlossenen City- und Regionalgesellschaften firmieren künftig als Bundesverband Breitbandkommunikation. Verbandspräsident Peer Knauer: „Wir passen den Namen den Realitäten an.“ Experten bezweifeln allerdings, ob sich der Ausbau paralleler Glasfaser-Infrastrukturen im Ortsnetz rechnet. Bereits Ende der Neunzigerjahre hatten diverse Festnetzbetreiber mit eigenen Glasfasernetzen auf den Fernstrecken zwischen den europäischen Metropolen so viele Überkapazitäten geschaffen, dass der Preisverfall einige Betreiber in den Konkurs trieb. 

juergen.berke@wiwo.de 

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