Archiv: Keineswegs feindlich

Philipp Schoeller » Mit einem Konsortium wollte der Private-Equity-Manager den Reifenhersteller Continental von der Börse nehmen. Der erste Versuch misslang, doch weitere sollen folgen. 

Unter dem Decknamen „Lighthouse“ (Leuchtturm) plante Philipp Schoeller eine Transaktion, die deutsche Wirtschaftsgeschichte hätte schreiben können: Im Herbst dieses Jahres wollte er den Reifenhersteller Continental für rund 18 Milliarden Euro von der Börse nehmen. Das wäre das erste Delisting eines Dax-Konzerns gewesen. Der Versuch scheiterte. Doch Schoeller plant weiter. Er ist Gründungspartner des Münchner Finanzinvestors General Capital Group (GCG), und der will seine Fondsgelder in Höhe von 4,5 Milliarden Euro ausschließlich in deutsche Unternehmen investieren. 

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„Wir reden derzeit mit einem halben Dutzend Managementteams von börsennotierten Gesellschaften über die Vorteile eines Delistings“, sagt Schoeller. Seiner Meinung nach ist die Börse eine „Finanzierungsquelle aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts und für viele dividendenstarke Werttitel heute nicht das Optimale.“ Etliche Unternehmen hätten in den vergangenen zehn Jahren über die Börse keine zusätzlichen finanziellen Mittel mehr bekommen, stattdessen aber viel Zeit für Kommunikation und Berichtspflichten verwendet. Weil deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich unterbewertet seien, „reduzieren sie ihre Chancen, am Endspiel der weltweiten Konsolidierung aktiv mitzuwirken“, sagt Schoeller. 

Die Continental-Übernahme scheiterte, weil Informationen über die Pläne nach außen drangen – und der Börsenkurs nach oben schnellte. Schoeller: „Das Konsortium hat sich am 19. September zurückgezogen, als der Kurs Sprünge machte, die durch die Unternehmensnachrichten allein nicht zu erklären waren.“ Zu dem Bieter-Konsortium gehörten neben GCG die Finanzinvestoren Bain Capital, Goldman Sachs, Permira und KKR. 

Beim aktuellen Kurs von gut 87 Euro sind die Conti-Pläne vorerst begraben. Doch sollte der Börsenkurs „sich wieder auf einen Niveau bewegen, bei dem sich das Projekt rechtfertigen würde, können wir eine Neuauflage nicht ausschließen“, sagt Schoeller. Gestartet hatte GCG die Gespräche, als die Conti-Aktie zwischen 70 und 80 Euro lag. Später hatte Schoeller die Projektführung an Bain Capital übergeben, weil die Gesellschaft über die größere Finanzkraft verfügte. „Die Übernahmepläne waren keineswegs feindlich“, betont Schoeller, „sondern vollständig im Einvernehmen mit dem Management.“ 

brigitte.haacke@wiwo.de | Frankfurt 

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