Archiv: Kevin Spacey

z Ich bin seit Jahren mit Bill Clinton befreundet, und er spricht mich so wenig auf die Schauspielerei an wie ich ihn zur Politik befrage. Das ist das Geheimnis von guten Freundschaften: Man hebt sich das Business für seine Geschäftspartner auf, weil man privat sonst nie eine echte zwischenmenschliche Beziehung knüpfen wird. 

z Wer mit 20 noch nicht seine rebellische Seite entdeckt hat, der besitzt kein Herz. Und wer sich jenseits der 30 immer noch nicht mit dem Establishment arrangiert, der hat keinen Verstand. 

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z Was sind schon Äußerlichkeiten? Ich selbst bin zum Beispiel gewiss kein gut aussehender Mann im klassischen Sinne. Meine Augenpartie hängt tief, mein Mund ist krumm, meine Zähne sind schief und meine Stimme klingt wie von einem Geldeintreiber der Mafia. Aber alles zusammen funktioniert ausgezeichnet. 

z Ist es nicht traurig, dass ich als mysteriös bezeichnet werde, nur weil ich nicht öffentlich verlautbare, mit wem ich schlafe? Es gab Zeiten, in denen wäre ich dafür für einen Gentleman gehalten worden. 

z Als ich in Berlin meine zweite Regiearbeit „Beyond the Sea“ drehte, war ich völlig verblüfft, wie konzentriert dort gearbeitet wird, und wie natürlich die Menschen der lokalen Filmbranche sind. Allein unsere Statistinnen waren schöner und aufregender als all diese künstlichen Hollywood-Diven, die Los Angeles zur Welthauptstadt der Eitelkeit machen. 

z Ich begreife Kollegen nicht, die dauernd in der Zeitung zu sehen sind und trotzdem den Verlust ihrer Anonymität beklagen. Erstens sollten sie wissen, dass sie sich auf einen Beruf eingelassen haben, der von der Öffentlichkeit und den Fans lebt. Und zweitens ist es nicht schwer, den Radarschirm der Presse zu unterlaufen. Mir genügen ein Hut und ein falscher Schnauzer, um unerkannt jede Stadt der Welt zu bereisen. 

z Sie glauben ja nicht, welch gigantische Geldsummen in meinem Tresor schlummern würden, wenn ich jeden hohlen Hollywood-Hit angenommen hätte, der mir im Lauf der Jahre angeboten wurde. Doch sobald die Gage das beste Argument für einen Job wird, sollte man zumindest als Künstler hinterfragen, ob man im richtigen Beruf ist. 

z Mein größtes Vorbild war Jack Lemmon. Ich drehte mit ihm vor vielen Jahren einmal einen kleinen Film. Auf demselben Gelände war zufällig Eddie Murphy mit einer Riesenproduktion beschäftigt. Als mittelloser Anfänger sah ich mir das natürlich neugierig an. Wow! Murphys Umkleidekabine war groß wie ein Tanker, für Kurzstrecken stand ein Rolls-Royce herum, und überdies beschäftigte er ein Dutzend Bodyguards. Ich staunte ehrfürchtig – aber nur, bis ich dann zu Lemmon kam. Der saß in einem kleinen Wohnwagen und löste das Kreuzworträtsel der „New York Times“. Er lächelte und lud mich als Wild-fremden in den engen Wohnwagen ein, um über die Schauspielerei zu plaudern. In der Sekunde wusste ich, dass Hollywoods Glamour nichts für mich und Lemmon mein persönlicher Held ist. 

z Der Gedanke an den Tod schreckt mich nicht. Ich hoffe nur, dass ich eines Tages auf der Theaterbühne stolpere und mir den Hals breche. Das wäre ein anständiger Weg, diese Welt zu verlassen. 

z Ich spreche grundsätzlich nicht über mein Privatleben und ignoriere alle zwangsläufigen Gerüchte – wohl wissend, dass es nicht nur in Amerika eine ehrbare Tradition ist, sich über Schauspieler das Maul zu zerreißen. Und so registriere ich mit Vergnügen, dass ich offenbar in den Club der Klatschwürdigen aufgenommen wurde. 

z Ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig Disziplin für erfolgreiche Arbeit ist. Glücklicherweise hatte ich als junger Mann Lehrer, die selbstlos Interesse zeigten und Verantwortung für mich übernahmen. Doch Disziplin lohnt sich nur, wenn sie aus freiem Willen entsteht. Als Jugendlicher wurde ich von meinen Eltern auf eine Militärschule geschickt. Das Klima der Unterdrückung dort habe ich so leidenschaftlich gehasst, dass ich vom ersten Tag an alles unternahm, um unehrenhaft gefeuert zu werden. 

z Erfolg ist wie ein kleiner Tod: Je erfolgreicher man wird, desto isolierter wird die Wohngegend und desto höher wachsen die Zäune. Wenn man nicht aufpasst, hat man das Leben irgendwann fast völlig ausgegrenzt. 

z Nichts gegen Kritiker, aber ihr Einfluss wird dramatisch überschätzt. Ich leite seit zwei Jahren ein Theater in London, und die Presse war nicht immer freundlich, obwohl kaum ein Abend ohne Ovationen des Publikums vergeht. Da frage ich mich dann zuweilen schon: Wem soll ich nun glauben? Den knapp 550 000 Menschen, die über die Jahre unsere Gäste waren, oder dem Dutzend Kritiker, die für Zeitungen schreiben? 

Roland Huschke 

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