Archiv: Klingenkult

Die Mailänder Messerhandlung Lorenzi hat das Schärfste für Küche und Salon. 

Behutsam und liebevoll greift er in die Glasvitrine. Seine Finger gleiten über die filigran gemaserte Schneide aus Damaststahl. Die rechte Hand umschließt den formvollendeten Palisanderstiel. „Schauen Sie, das ist ein wunderschöner Gegenstand“, sagt Aldo Lorenzi. Schön hoch ist auch der Preis: 5200 Euro kostet die exquisite Axt aus dem Sortiment der Mailänder Messerhandlung G. Lorenzi. 

Knarzendes Parkett, gediegene Glasschränke: Hier unten präsentiert Lorenzi seinen Kunden aus aller Welt, die eigentlich schon alles haben, die Kostbarkeiten seines 18 000 Artikel umfassenden Sortiments kultiger Luxusutensilien fürs ganze Haus. Fleischmesser aus Damaszenerstahl, grazile Austerngabeln, geräumige Humidore aus Edelhölzern, Rasierer mit wertvollem Schildpattgriff, handgefertigte Körbe für Pilzsammler. Allein 120 verschiedene Rasiermesser hält das Geschäft parat. Es fehlt weder an dekorativen Papierklipps für den Sekretär, an feinen Toilettentaschen für die Reise, an hübsch gearbeiteten Fingerhüten noch an Gourmetwerkzeugen. „Armani und Gucci ziehen den Mann an“, so Lorenzi, „wir statten ihn aus.“ 

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Die Einrichtung der Bottega selbst ist von anno dazumal, und auch der Inhaber wirkt angenehm altmodisch. Aldo Lorenzi, 70, schwimmt gegen den Strom der Zeit. In einer von Leichtigkeit, Eile und Improvisation geprägten Welt setze er auf Solidität, Tradition, Profundes, sagt er stolz. Sein Angebot sei etwas für Arrivierte, die es gewöhnt sind, „alles im Leben zu vertiefen“. Bei Lorenzi kommen sie auf ihre Kosten. 

Und tatsächlich taucht der kultivierte Liebhaber schöner Gegenstände hier mitten in Mailands schnelllebigem Modeviereck ein in den antiken Mythos vom Stahl. Über die Axt aus 320-lagigem Damaststahl kann Lorenzi so fesselnd plaudern wie über das Parmigiano-Messer für 1117 Euro, das die Form eines Segels hat. Ein paar Schritte weiter die Straße hoch hat Aldos älterer Bruder Franco ein Museum rund um die Geschichte des Rasierens eingerichtet: ein Panoptikum von 3800 Bartmessern, Klingen und Kuriositäten. 

Seit 77 Jahren gibt es den Coltellinaio G. Lorenzi nun in der eleganten Via Montenapoleone 9. Vater Giovanni hatte 1929 in dem ehemals winzigen Kellerloch seinen Schleifkarren aufgestellt und stumpfe Haushaltswaren scharf gemacht. Doch die feinen Mailänder wollten mehr. So besorgte Lorenzi bald beste Messer. 

Als die Erben das gepachtete Eckgeschäft an Mailands feinster Einkaufsmeile vor über 20 Jahren erwarben und vergrößerten, fassten sich Architekten und Steuerberater ob dieser Investitionspläne an den Kopf. Eine Messerhandlung in der Via Montenapoleone? Das erschien ihnen als der helle Wahnsinn. Doch die Familie ließ sich nicht beirren. Ihr Credo: Auch ein einfaches Handwerk kann Wertvolles hervorbringen. Sie schufen so „eine schöne Marke“, wie Aldo Lorenzi stolz anmerkt. „Na ja, und auch finanziell, verzeihen Sie, aber wir können uns das hier leisten.“ 

Den Käufer, der sich die Superaxt eines Tages gönnen wird, stellt sich der Ladeninhaber so vor: ein Haus in Gstaad, Familie, Hubschrauber. „So ein Mann wird dieses Stück zu schätzen wissen“, sagt Lorenzi, „wenn er für seine Lieben an einem Winterabend ein Kaminfeuer anmacht.“ 

ULRIKE SAUER 

G. Lorenzi, Via Monte-napoleone 9, MailandTel. 00 39/02/76 02 28 48www.lorenzi.it 

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