Archiv: Klinken putzen

ACN » Der amerikanische Direktvermarkter will in Deutschland ein neuartiges Vertriebssystem für den Mobilfunk etablieren. 

Gregory Provenzano ist der Mann für professionelles Klinkenputzen. Seit zwölf Jahren tingelt der Gründer des amerikanischen Direktvermarkters ACN von Land zu Land, um an der Haustür Telekommunikations- und Energieverträge zu verkaufen. In Deutschland bietet er jetzt neuartige Verträge für den Mobilfunk an. Der Clou: ACN-Kunden sollen – abends und am Wochenende – kostenlos miteinander telefonieren können. Wie schon die Internetcommunity www.uboot.com, der Musiksender Viva und der Discounter Blau.de hat ACN eine strategische Partnerschaft mit E-Plus-Chef Uwe Bergheim abgeschlossen, der sein Netz für andere Anbieter geöffnet hat. Der Haken am ACN-Angebot: Der Nulltarif gilt nur für maximal 1000 Minuten pro Monat. Danach werden je nach Tarif zwischen 29 und 39 Cent pro Minute fällig. Das Vertriebsmodell halten Verbraucherschützer allerdings für bedenklich. „Das erinnert an ein Schneeballsystem“, sagt Anke Kirchner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Damit die ACN-Kunden möglichst viele Gesprächspartner kostenlos anrufen können, haben sie ein starkes Interesse daran, ACN weiterzuempfehlen. Und in der Tat sollen freie Repräsentanten nebenberuflich neue Kunden werben. Vom 28. bis 30. Oktober hat ACN den Münchner Olympiapark für ein erstes Training angemietet. Wer in das ACN-Vertriebsnetz einsteigen will, muss zunächst eine Gebühr von rund 400 Euro zahlen. Die Teilnahme am Training kostet noch mal zwischen 110 und 150 Euro. Doch dann, verspricht ACN, winke „ein unbegrenztes Einkommenspotenzial“. Das wird von Kritikern bezweifelt. In Australien befasste sich bereits ein Gericht mit dem Fall ACN. Dort stufte ein Richter ein vergleichbares Konzept als illegales Pyramidensystem ein. Ein ähnliches Verfahren läuft in Kanada. Ein von der Verbraucherzentrale NRW beantragtes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankfurt wurde jedoch eingestellt. 

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juergen.berke@wiwo.de, 

patrick mönnighoff 

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