Archiv: Kodex ohne Wirkung

Gerhard Cromme » Der unter der Ägide des ThyssenKrupp-Aufsichtsratschefs entwickelte Corporate Governance Kodex lässt die Börse unbeeindruckt. 

Zum fünften Mal lädt Gerhard Cromme, Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp und Chef der nach ihm benannten Regierungskommission, im Sommer Topmanager zur „Konferenz Deutscher Corporate Governance Kodex“. Vorstände werden sich wieder auf die Schulter klopfen und die Akzeptanz des Kodex loben. „Wer sich nicht an den Kodex hält, wird vom Kapitalmarkt bestraft“, drohte Cromme bereits 2002 bei der Installierung des freiwilligen Regelwerks, das Investoren durch mehr Transparenz und Kontrolle von Management und Aufsichtsrat Vertrauen in die deutsche Unternehmensführung einflößen soll. „Die Sanktion durch den Kapitalmarkt findet nicht statt“, widerspricht Eric Nowak, Wirtschaftsprofessor am Swiss Finance Institute Lugano. 

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Er und der Frankfurter Ökonom Roland Rott haben dies in einer Langzeitstudie nachgewiesen. Sie ordneten dazu 317 der größten deutschen Aktiengesellschaften nach dem Niveau ihrer Kodexerfüllung verschiedenen Portfolios zu. Dann untersuchten sie, wie sich der Wert jedes Portfolios zwischen 2002 und 2005 entwickelte. Wenn Unternehmen sich in der Erfüllung des Kodex verbesserten, wurden die Portfolios umgestellt. Ergebnis: Weder ein höheres Niveau der Kodexbefolgung noch Verbesserungen im Corporate-Governance-Rating wirken sich positiv auf den Börsenkurs aus. „Der Unterschied in der Kursentwicklung ist exakt null“, sagt Nowak. Sein Urteil: Der Kodex ist zu weich. Kein Wunder: „Die Cromme-Kommission besteht hauptsächlich aus aktiven oder ehemaligen Vorständen, die andere Vorstände regulieren sollen.“ Nowak fordert, den Kodex mit Sanktionen auszustatten oder wichtige Regeln in Gesetze zu überführen, wie bei der Pflicht zur Offenlegung von Managergehältern bereits geschehen. 

hauke.reimer@wiwo.de | Frankfurt 

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