Kollektive Intelligenz

Archiv: Kollektive Intelligenz

Wie holt man mehr aus einem Produkt heraus, als der Hersteller gestattet? Ohne über die nötigen technischen Kenntnisse zu verfügen? Man bittet im Internet um Hilfe. Oder schreibt einen Wettbewerb aus wie Colin Nederkoorn. Der Texaner ist ein Fan von Apples neuem Mac mini mit Intel-Prozessor. Ihn stört allerdings, dass der kompakte Computer mit dem Betriebssystem Windows von Microsoft nicht klarkommt. Für ältere Macs ohne Intel-Prozessor gibt es dafür eine Hilfssoftware namens Virtual PC, die von Microsoft angeboten wird. Mit deren Hilfe laufen auch solche Windows-Programme auf dem Apple-Computer, für die es keine Mac-Version gibt. Virtual PC läuft aber auf dem Mac mini nicht. 

Nederkoorns Hilferuf im Internet fand Gehör. Andere Interessenten spendeten eine Belohnung, das Preisgeld wuchs schließlich auf fast 14 000 Dollar an. Die bekommen jetzt „Blanka“ und „Narf“, zwei anonyme Programmierer aus Kalifornien. Sie fanden eine Lösung, die inzwischen tausendfach über das Internet verbreitet wird: windowsxp.onmac.net. 

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Ein interessantes Experiment – und eine gute Nachricht für Paul Pluschkell. Der Unternehmer aus dem Silicon Valley arbeitet an einem Internetangebot, das die Lösung ähnlicher Probleme vereinfachen soll. Er will dazu einen globalen Marktplatz aufbauen, der die Kreativität von Entwicklern über das Web verfügbar macht. Diese kollektive Intelligenz soll auf Anfrage neue Funktionen für digitale Videorekorder, MP3-Spieler, Mobiltelefone, Spiele oder Steuerungssysteme entwickeln. Pluschkells Plattform Ipswap (www.ipswap.com) ist eine Art Ebay für Entwickler. Nutzer, die gern bestimmte Funktionen für ein Gerät oder eine völlig neue Anwendung entwickelt haben möchten, können die Software öffentlich ausschreiben und eine Belohnung dafür anbieten. Entwickler und Auftraggeber können sich auf die Zahlung eines Einmalbetrags einigen oder auf eine Beteiligung an künftigen Verkaufserlösen verständigen. Die Idee ist gut. Doch Pluschkell hat noch einige Hürden zu nehmen. So schließen die meisten Softwarehersteller Garantieleistungen aus, wenn ihre Produkte verändert werden. Zudem besteht die Gefahr, dass der Entwickler das Interesse an seiner Lösung verliert und dann keine Aktualisierung mehr anbietet. Außerdem könnten solche Erweiterungen zum Einfallstor für Hacker werden. Das würde sich allerdings schnell herumsprechen: Die kollektive Intelligenz im Internet ist mächtig. 

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