Kommt ein neuer Knall?

Archiv: Kommt ein neuer Knall?

Ins Silicon Valley kehrte gerade vorsichtiger Optimismus zurück, als ich im Sommer 2004 mit Michael Moritz sprach, dem Wagnisfinanzierer von Yahoo und Google. Der phänomenal erfolgreiche Börsengang von Google hatte Hoffnungen genährt. „Wir werden neuen Enthusiasmus sehen, und dann werden wir mit einem großen Knall wieder auf die Erde fallen“, prophezeite Moritz damals. Ist jetzt der Zeitpunkt gekommen für den erneuten Absturz? Auf der Konferenz Always On vergangene Woche in Stanford, einer Art Innovations- und Hype-Barometer, war der Andrang groß. Geld ist wieder da in Hülle und Fülle. US-Wagnisfinanzierer haben in den ersten sechs Monaten knapp 18 Milliarden Dollar eingesammelt, der höchste Wert seit fünf Jahren. Stargast der Konferenz war Chad Hurley, 29-jähriger Gründer von Youtube. Innerhalb eines Jahres ist seine Videoplattform unter die populärsten Web-Seiten in den USA aufgestiegen. Der Inhalt auf Youtube ist eine Mischung aus Amateurvideos und kommerziellen, teils raubkopierten Clips aus Fernsehprogrammen. Youtube hat das Zeug zur Weltmarke, verbrennt momentan allerdings laut Schätzungen bis zu eine Million Dollar im Monat. Je populärer die Seite wird, umso mehr steigen die Kosten, zumal Telefongesellschaften gerade wieder die Preise für den Datentransfer erhöhen. Hurley hofft, mit Online-Werbung Profit zu machen. Nur: Der Inhalt gehört ihm nicht. Und manche Amateurfilmer, die großzügig ihre Kreationen auf die Seite laden, werden schnell zornig, wenn andere damit Geld verdienen wollen. Sollte Hurley seine Kreativen trotz Kommerz bei der Stange und Youtube selbstständig halten, dann ist er ein wirklich brillanter Unternehmer. Vielleicht verkauft er Youtube auch einfach an einen Medienkonzern, so wie Myspace.com für eine halbe Milliarde Dollar an Rupert Murdoch ging. Schon wird davon geredet, Youtube sei eine Milliarde Dollar wert. Entsteht da die Blase 2.0, fragte ich kürzlich Bill Gross, einen früheren Dotcom-König und Erfinder des Geschäftsmodells, mit dem momentan fast alle Suchmaschinen operieren. Gross verneinte. Diesmal fuße der Enthusiasmus auf Erträgen und einer Vielzahl von Kunden. Sobald Youtube ein passendes Werbemodell gefunden habe, sei die Seite profitabel. 

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