Kultur der Großzügigkeit

Archiv: Kultur der Großzügigkeit

Wie lassen sich das Mitteilungsbedürfnis und die Hilfsbereitschaft fleißiger Internetautoren in bare Münze verwandeln, ohne sie zu vergraulen? Dieses Rätsel versuchen Yahoo und Google gerade zu lösen. 

Ihre Präsentationen vor Wall-Street-Analysten sind derzeit mit Schlagwörtern wie „User generated Content“ und „Monetize“ gespickt. Es dreht sich um Inhalte, die von Internetnutzern kostenlos erzeugt werden und die nun verwertet werden sollen. Es geht also um das alte Prinzip Schaufel und Spitzhacke: Die besten Geschäfte machten im kalifornischen Goldrausch nicht die Schürfer, sondern Werkzeugverkäufer, Transporteure und Vermarkter. Die Infrastruktur bereitstellen und andere arbeiten lassen – das Geschäftsmodel soll auch das Internet zur Goldgrube machen. Bei Ebay funktioniert es bereits. Der Internethändler profitiert davon, dass Millionen emsige Nutzer ihre Offerten fleißig fotografieren und betexten. Ebay liefert nur die Werkzeuge und die Plattform. Ähnlich läuft es beim Spieleunternehmen Linden Lab. Es liefert die Software und Rechenkapazität für seine virtuelle Welt „Second Life“, die von Spielern bebaut und bevölkert wird. Dafür bezahlen sie eine Monatsgebühr von 9,95 Dollar. Auf Myspace.com und Thefacebook breiten Millionen jugendlicher Internetsurfer ihre Lebensgeschichten und Vorlieben aus – ein ideales Werbeumfeld. Ähnliches versuchten Google und Yahoo, ohne Erfolg. Jetzt versuchen sie Kapital zu schlagen aus Wissensforen, in denen Nutzer ihre Spezialkenntnisse darlegen. Im Internet herrscht eine „Kultur der Großzügigkeit“, sagt Yahoo-Manager Jeff Weiner. Doch wirtschaftliche Anreize, weiß er, „können die Dynamik schnell verändern“. 

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Craig Newmark, Schöpfer der Online-Anzeigenseite Craigslist.com, hat einen Weg gefunden. Er schöpft mit Absicht nicht das Potenzial seiner Seite aus, berechnet nur für Jobangebote Gebühren. Doch diese Großzügigkeit können sich börsennotierte Unternehmen wie Yahoo und Google nicht leisten. Yahoo versucht es jetzt mit Schmeichelei: Besonders kompetente Autoren erhalten Status-Punkte ähnlich wie bei Ebays berühmten Feedback-System. Doch ist Ehre ähnlich attraktiv wie Geld? 

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