Laurent Boix VivesEigner des Skiherstellers Rossignol

Archiv: Laurent Boix VivesEigner des Skiherstellers Rossignol

Er war keine 30 Jahre alt, als er das Unternehmen kaufte. Heute, ein halbes Jahrhundert später, muss Laurent Boix Vives, 78, Spross einer Familie von Gemüsehändlern und Skiliftbetreibern, entscheiden, wie es mit seinem Lebenswerk weitergeht. Will er Rossignol, den weltgrößten Skihersteller, ausgerechnet an die US-Konkurrenz verkaufen? Soll er das 1907 gegründete Traditionsunternehmen aus den französischen Alpen an einen gerade 30 Jahre jungen kalifornischen Surferkonzern verschachern? Sportartikler Quiksilver, der mit Surfbrettern begann, machte in dieser Woche eindeutige Avancen. Doch noch zögert Boix Vives, der im Rossignol-Aufsichtsrat sitzt, sich von seinen 45 Prozent des Kapitals zu trennen. Entscheidet er sich jedoch für den Verkauf, beschleunigt er die galoppierende Konsolidierung der weltweiten Skibranche. Der Franzose würde zum Symbol für die glorreiche Vergangenheit der europäischen Ski-Industrie – und ihres Ausverkaufs an die Amerikaner. Denn vor allem US-Konzerne zeigen Appetit: Erst im vergangenen Sommer verleibte sich K2 das niederbayrische Unternehmen Völkl ein. K2 überlässt die aufwendige Skiproduktion lieber Herstellern in Fernost, nicht unähnlich Sport-Primus Nike, der gar keine eigenen Fabriken besitzt. Europäische Hersteller wie Völkl und Rossignol dagegen produzieren noch immer auf dem alten Kontinent. Das ist teuer. Dabei stehen alle Hersteller seit Jahren mit dem Rücken zur Wand. Statt acht Millionen Paar Skier wie noch in den Achtzigern werden im Jahr nur noch rund 4,2 Millionen Paar verkauft. Tendenz: bestenfalls stagnierend. Die Folge sind Überkapazitäten von geschätzten 20 Prozent. Rossignol etwa könnte 1,45 Millionen Paar Ski im Jahr produzieren – tatsächlich waren es zuletzt 1,28 Millionen. Nach Snowboard-Boom und Carving-Euphorie fahndet die Branche nach dem neuen Trend, der Wachstum beschert. In Sicht ist der jedoch nicht. Hinzu kommt: Wer heute auf die Piste geht, kauft kein Brett, sondern leiht es sich am Ort. Der schwache Dollar und hohe Rohstoffpreise sorgen zusätzlich dafür, dass die Branche mehr Probleme hat als ein Anfänger auf einer schwarzen Piste. Experten rechnen daher damit, dass nur die großen Vier – Rossignol, K2/Völkl, Salomon und Atomic, die sich bereits heute rund 80 Prozent des Marktes teilen – in Zukunft weiter wachsen. Entschließt sich Boix Vives zum Verkauf, bleibt ihm ein Trost: Quiksilver-Präsident Bernard Mariette ist nicht nur ein langjähriger Freund der Familie, man kennt sich, fährt gemeinsam Ski. Mehr noch: Er ist Franzose. Peter Steinkirchner 

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