Leinwand auf der Nase

Archiv: Leinwand auf der Nase

Reisestress ist Glen Ward gewohnt. Für den britischen Milliardär und Exzentriker Richard Branson baute er für dessen Unternehmen Virgin knapp ein halbes Jahrzehnt lang die Unterhaltungssparte in den USA auf. Anfang 2005 wechselte Ward überraschend zu einem winzigen Jungunternehmen namens Headplay. Seitdem hat der Brite wieder Zehntausende Flugmeilen zurückgelegt, während er zwischen dem Hauptquartier in Los Angeles, der Forschungsabteilung im kanadischen Calgary und Zulieferern im Silicon Valley pendelte. Für Unterhaltung war dabei stets gesorgt. Denn Ward trägt in seinem Handgepäck stets ein komplettes Kino mit sich herum – inklusive Großbildschirm. Anfang Januar wird er auf der Messe für Unterhaltungselektronik in Las Vegas das neueste Produkt seiner Firma vorstellen: eine Brille, die den winzigen Bildschirm tragbarer Videoabspielgeräte wie das TV-Handy, den Laptop, die tragbare Spielkonsole oder den Video-iPod von Apple zu einer Art digitaler Kinoleinwand macht. An die Videoquelle angeschlossen, gaukelt die Brille ihrem Träger mit einer ausgeklügelten Optik eine 1,30 Meter große Leinwand vor. Das Verfahren dafür gibt es schon lange. Neu an dem Headplay PCS (Personal Cinema System) genannten por-tablen Heimkino ist, dass für das Erzeugen der Bilder nur noch ein Display für beide Gläser notwendig ist. Das soll die Brille leichter machen und Kosten sparen. Außerdem ist der Kontrast stärker und das Bild größer. Weil zwei separate Bilder für das linke und das rechte Auge erzeugt werden, lassen sich sogar dreidimensionale Effekte erzielen. Entwickelt hat das Display Syntax-Brillian aus dem kleinen Städtchen Tempe in Arizona. Ich konnte die Brille kürzlich ausprobieren. Die optische Täuschung, die ich dabei erlebte, war verblüffend: Ich hatte den Eindruck, in einem Filmtheater zu sitzen. Weniger angenehm war das Gewicht der Brille. Obwohl nur 150 Gramm schwer, drückte sie kräftig auf die Nase. Bis zum Start der Serienproduktion, verspricht Ward, werde man das Produkt weiter abspecken. Das übernimmt die Designagentur Ideo aus Palo Alto. Das Gerät soll rund 500 Dollar kosten und ab Frühjahr zunächst in den USA, später aber auch in Europa erhältlich sein. 

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