Letzter Ausweg Amerika?

Archiv: Letzter Ausweg Amerika?

DaimlerChrysler » Der Absatz der Tochter Smart bricht in Deutschland erneut ein. Ein Verkaufsstart in den USA könnte helfen, das Geschäft endlich anzukurbeln. 

Noch zieht Dieter Zetsche, der neue Chef der DaimlerChrysler-Tochter Mercedes, die Aufmerksamkeit auf sich. Ulrich Walker dürfte das nur recht sein. Der Chef des Kleinwagen-Ablegers Smart kann derzeit keine Erfolge vorweisen. Der Absatz seiner Marke zieht in Deutschland trotz aller Anstrengungen nicht an. Letzter Ausweg könnte sein, die Smart-Modelle auch in den USA anzubieten, heißt es im Smart-Hauptquartier in Böblingen. 

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Bei den Neuzulassungen in Deutschland liegt Smart im laufenden Jahr um 7,2 Prozent unter Vorjahr. Obwohl inzwischen 195 Vertriebs- und Servicestützpunkte eröffnet wurden, brach der Absatz in Deutschland im August sogar um 17,9 Prozent ein. Vor allem der viersitzige Kleinwagen Forfour liegt weiterhin deutlich unter den Erwartungen. Wie aus den internen Unterlagen eines Zulieferers hervorgeht, sollen dieses Jahr im niederländischen Nedcar-Werk, in dem auch der Mitsubishi Colt entsteht, nur 48 000 Forfour gebaut werden. Branchenbeobachter waren bisher von etwa 63 000 Einheiten ausgegangen. 

Um mit dem Forfour Geld zu verdienen, müsste Smart jährlich rund 90 000 Autos absetzen. Ein Smart-Sprecher sagt zu den Zahlen: „Wir werden dieses Jahr deutlich mehr Forfour verkaufen, als wir produzieren.“ Im Umkehrschluss heißt das: Die Händler haben offenbar zu viele Autos auf den Höfen stehen. Um die Kleinwagenmarke doch noch aus den roten Zahlen zu führen, könnte der Gang in die USA immer wahrscheinlicher werden, ist aus der Smart-Zentrale zu hören. So sollen alle Markttests positiv verlaufen sein. Ob Walker in die USA darf, wird Zetsche, der zum 1. Januar auch die Leitung des DaimlerChrysler-Konzerns übernimmt, noch dieses Jahr entscheiden. 2007 rollt die Neuauflage des Zweisitzers Fortwo an den Start, der in Crash- und Abgasverhalten bereits auf die Bestimmungen in den USA geeicht wurde. Wenn der 2,5 Meter kurze Autozwerg in Metropolen wie Los Angeles oder New York verkauft wird, könnte er endlich auf profitable Stückzahlen kommen, hoffen Smart-Manager. 2007 steht allerdings auch die Entscheidung an, ob der Forfour einen Nachfolger erhält. Bleibt es bei der Absatzflaute, droht das Ende des Viersitzers. Kooperationspartner Mitsubishi, der das Nedcar Werk im niederländischen Born betreibt, teilte Mitte Juli mit, dass man 670 der rund 3900 Arbeitsplätze streichen müsse. 2004 produzierte Nedcar 187 600 Autos, 2005 werden es voraussichtlich nur 130 000 werden. Ursprünglich war das Werk auf eine Kapazität von bis zu 280 000 Autos ausgelegt. Andere Modelle hat Smart in den vergangenen Monaten bereits beerdigt. Der Geländewagen ForMore wird nicht gebaut. Die Produktion des Smart Roadster, der gemeinsam mit dem Fortwo in Hambach gebaut wird, läuft zum Jahresende aus. Der Abbau von 588 Stellen in der Smart-Zentrale ist weit gehend abgeschlossen. 150 Mitarbeiter verließen das Unternehmen, 200 erhielten einen anderen Arbeitsplatz innerhalb des Konzerns. 236 unterschrieben einen Aufhebungsvertrag und sollen durch ein Outplacement-Center in neue Jobs vermittelt werden. Mit den verbleibenden Mitarbeitern wird noch verhandelt. 

thomas.katzensteiner@wiwo.de,jürgen rees 

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