Archiv: Lion's Club

Michael Rattray ist derElder Statesman der Safari-Veranstalter. 

Auf einem Kontinent, wo schwindende Tierbestände regelmäßig registriert werden, zählen auch Menschen zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies. Einer von ihnen ist Michael Rattray. 

Äußerlich betrachtet ist Rattray ein typischer Afrikaner schottischer Abstammung: stämmig, breitschultrig, rotblond, lebenslänglich für Sommersprossen und Sonnenbrände prädestiniert – woran auch mehrere Vorfahren-Generationen südlich des Äquators nichts ändern konnten. Doch unter der hellen Haut ist er ein afrikanisches Urgestein – ein Mann, der mit jeder Faser des Herzens an seinem heimatlichen Transvaal hängt. Nichts wünscht sich der Gentleman-Farmer mehr, als das geliebte Land seiner Väter dereinst auch den Enkeln und Urenkeln als eine Art von Arche Noah hinterlassen zu können. 

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Zuletzt sah ich Michael Rattray Mitte der Neunzigerjahre im Table Bay Hotel in Kapstadt. Chuck Berry, Mia Farrow, Naomi Campbell und andere prominente Gäste waren seinerzeit Nelson Mandelas Einladung zu einer Wohltätigkeitsgala gefolgt. Als Höhepunkt der Veranstaltung wurde ein Porträt des damaligen südafrikanischen Präsidenten versteigert. Auf dem riesigen Ölbild, für das damals auch Rattray Interesse zeigte, wirkte Mandela fremd. Anstelle des für ihn typischen balinesischen Hemdes, von denen er mehr als 50 im Schrank haben soll, hatte er Anzug, Weste und Krawatte getragen, als er dem Maler Modell saß. Mit einer gewaltigen viktorianischen Bücherwand im Hintergrund glich Mandela auf dem Gemälde eher einem konservativen amerikanischen Südstaaten-Gouverneur als dem Freiheitskämpfer, der 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte. 

Es war damals eine der seltenen Gelegenheiten, dem Südafrikaner Rattray persönlich zu begegnen. Er und seine Frau Nora leben eher zurückgezogen. Seit mehr als 40 Jahren ist das Schicksal seiner Familie aufs Engste mit Mala Mala verbunden. Das 30 000 Hektar große private Wildreservat an der Westgrenze des Kruger Nationalparks ist seit 40 Jahren im Besitz der Rattrays. Die Safari Lodge zählt denn auch seit vielen Jahren zu den großen Legenden im afrikanischen Busch. Dass hier unter der Regie früherer Besitzer einmal spektakuläre Großwildjagden veranstaltet wurden, bei denen selbst fragile Prinzessinnen mit zarter Hand auf Löwen anlegten, daran erinnert nur noch die Trophäensammlung in der Bar. 

Heutzutage kommen hier ganz andere Passionen zum Tragen. Viele Besucher loben, dass die Inhaber der Lodge und ihr Team ein besonderes Talent besitzen, um in Großstädtern aus der industrialisierten Welt nostalgische Erinnerungen an die Kindheit wachzurufen – an die unbeschwerte Zeit der Neugier auf alles Wilde und Ungezähmte in einer natürlichen Welt ohne Grenzen. In Mala Mala passiert es denn auch immer wieder, dass Gäste beim ersten Kontakt mit dem afrikanischen Kontinent, der geheimnisvollen Wiege der Menschheit, und unter der einfühlsamen Führung der Gastgeber eine Art Coming-Home-Gefühl entwickeln. 

Die große Freiheit zu atmen und dabei der einzigartigen Tierwelt Afrikas zum Greifen nahe zu kommen, hat allerdings auch seinen Preis. Vor allem, seit die Liebe zum Lifestyle in allen Lebenslagen auch den Busch erobert hat. Statt der traditionellen, rustikalen Busch-Camps gibt es heute immer mehr Kultstätten des modernen Designs, aufs Feinste ausgestattet mit Luxusbädern, Flachbildschirmen, Jahrgangs-Champagner, Gourmetküche und – auf Wunsch der amerikanischen Gäste – auch immer häufiger auch mit Klimaanlagen. Bei kurzen Stippvisiten im Garten Eden, die pro Kopf und Nacht ab 500 Euro kosten, kann es dann passieren, dass Afrika vor der Tür bleibt. Statt sich, wie allgemein üblich, nach dem Five o’Clock Tea für den nächsten Game Drive auf den Jeep zu schwingen, bleibt man auch gerne mal am Pool liegen oder begibt sich für eine balinesische Wohlfühlmassage ins Busch-Spa. 

Keine Frage, auch an Mala Mala ist der neue Zeitgeist nicht spurlos vorüber- gegangen. Außer Bier und den angeblich malaria-kurierenden G & Ts, wie man Gin and Tonic im Busch nennt, gibt es heute auch andere Cocktails. Auch ist Chicken-Curry mittlerweile nicht mehr das Nonplusultra auf der Karte. Was allerdings die Schönheit betrifft, so liegt der Schwerpunkt in Mala Mala nicht auf Bungalows und Bädern, sondern auf Pflanzen und Tieren. 

Die Rattrays legen eben Wert auf andere Dinge. Zum Beispiel auf die sorgfältige Ausbildung von Rangern und Spurensuchern, die rund um die Uhr ihr Bestes geben, um in den Herzen der Gäste unlöschbare Erinnerungen zu schaffen. Touristen, die einen Kurztrip in den Busch machen, um mal schnell die Big Five (Löwe, Leopard, Büffel, Elefant, Nashorn) von ihrer Checkliste abzuhaken, sind hier an der falschen Adresse. 

Auch wenn jeden Abend auf dem Blackboard hinter der Bar Punkte gezählt werden – die wenigsten für Affen und Impalas, deutlich mehr für Nashörner und Leoparden und die höchste Zahl für einen sogenannten Kill (das Beuteschlagen durch ein Raubtier) –, kommt es nicht ausschließlich darauf an, was man auf dem Game Drive gesehen hat. Viel wichtiger ist es, gemeinsam ein paar Geheimnisse dieser einzigartigen Natur zu lüften. An der gleichen Bar, an der sich seinerzeit Großwildjäger ihrer Abschüsse rühmten, sitzen abends die Ranger mit ihren Gästen und erklären ihnen das Liebesleben des Dung Beetle, der afrikanischen Variante des Mistkäfers. Solches Engagement der Ranger hätte Paul Kruger gefallen. Schließlich hängt es von dieser Spezies Menschen ab, ob sein Lebenswerk Zukunft hat. 

Als er vor mehr als 100 Jahren den ersten Nationalpark Afrikas gründete, war der Wildbestand in diesem Teil des Kontinents bereits auf ein Minimum geschrumpft. Heute ist der Kruger Park einer von 20 Nationalparks in Südafrika. Die „Arche Noah“ kann sich mit 14 000 Elefanten, 2700 Löwen und 11 500 Nashörnern sehen lassen. Und Männer wie Michael Rattray haben allen Grund, stolz darauf zu sein. 

Christine von Pahlen 

Mala Mala Game Reserve , 35 Zimmer in ockerfarbenen, strohgedeckten Busch-Bungalows, inklusive Mahlzeiten und Game Drives ab 500 US-Dollar pro Person. Kürzlich eröffnet: Rattray’s on Mala Mala , acht Luxus-Suiten mit freiem Internet, Satelliten-TV und Mini-Spa, inklusive Mahlzeiten und Game Drives ab 850 US-Dollar pro Person. Tel. 00 27/11/4 42 22 67, www.malamala.com 

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