Archiv: Magie des Vollmonds

Stefan Baron über den „Wunder-Manager“ Wiedeking 

Wendelin Wiedeking gilt vielen als Deutschlands Wunder-Manager. Die Stuttgarter Porsche AG, die er führt, genießt seit Jahren das beste Image aller deutschen Unternehmen. Gerade hat sie den 12. Rekordgewinn in Folge hingelegt. Die Umsatzrendite ist mit knapp 19 Prozent die höchste unter allen Autoherstellern der Welt, der Aktienkurs binnen zehn Jahren von rund 50 auf fast 900 Euro hochgeschossen, David Porsche drauf und dran, die Mehrheit an Goliath Volkswagen zu übernehmen. Da fehlt, so scheint es, jetzt nur noch die Heiligsprechung. 

Die hat Wiedeking nun selbst vorgenommen. In seiner Managerfibel „Anders ist besser“ schwingt sich der Porsche-Chef zum Vorbild für die Führungskräfte des Landes auf („Die Menschen suchen nach Vorbildern, nach jemandem, der ihnen die Wahrheit sagt“), geriert sich als „ehrbarer Kaufmann“ und „weißer Rabe“ unter Deutschlands Unternehmern. Wiedeking wütet gegen „Großkapital“ und „anonyme Finanzmärkte“, geißelt den „Götzendienst am shareholder value“, „primitiven Geld-Ökonomismus“ und „exzessive Einkommensgestaltung von Managern“, grenzt sich ab von Subventionsempfängern („Wir verzichten auf Investitionsbeihilfen“) und Job-Verlagerern („Wir schaffen unsere Arbeitsplätze hier“). 

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Ein übleres Blendwerk ist wohl kaum denkbar: Wendelin Wiedeking ist nicht Deutschlands bester, sondern sein am meisten überschätzter Manager. 

Gewiss, der Erfolg von Porsche ist unstreitig, und sein Chef hat daran einen erheblichen Anteil. Doch worauf beruht dieser Erfolg? Auf der genialen Managementkunst des großen Vorsitzenden? Auf den Prinzipien eines ehrbaren Kaufmanns? Auf besonders patriotischer oder sozialer Gesinnung? Mitnichten! 

„Was nutzt alles Geld“, schreibt Dagobert Wiedeking, „wenn man nur wie die Comicfigur Dagobert Duck darin herumschwimmt?“ Kein Wort über seine Jahresbezüge von 18 Millionen Euro, die ihn zu Deutschlands höchstbezahltem Manager machen. Und kein Wort darüber, dass die Ausnahme, die das Gesetz zur Offenlegung von Managerbezügen erlaubt, wenn drei Viertel der Hauptversammlung dies so möchten, nicht zuletzt auf seine Intervention zurückzuführen ist. Natürlich erfährt der vaterländisch bewegte Leser auch nichts über das große Ausmaß der Porsche-Produktion im Ausland. 

Wiedekings Erfolg beruht erstens auf VW und zweitens auf PR. Der Mann sagt es an einer Stelle selbst: „Dreh- und Angelpunkt des Systems Porsche ist die geringe Fertigungstiefe.“ Für die geringe Fertigungstiefe sorgt vor allem die Kooperation mit den Wolfsburgern. Und: „Wenn es schon um Kenngrößen geht, mit denen der Erfolg von Unternehmensführung auf den Punkt gebracht werden soll“, so der Porsche-Chef, dann sei es „das Markenimage, nicht der Börsenkurs“. 

Auf PR versteht sich Wiedeking bestens. Er hat Porsche ein grün-soziales Saubermann-Image verpasst, das es den Gemahlsgattinnen in Deutschlands Villenvororten ermöglicht, ihre Kinderlein mit gutem Gewissen im Cayenne zur Schule zu bringen. „Die Kunden“, so Wiedeking, „die unsere Luxusprodukte zu Luxuspreisen kaufen sollen“, müssten dies tun können, „ohne dabei soziale Nachteile befürchten zu müssen“. Darum geht es. 

In seiner Selbstbeweihräucherungsfibel preist der Porsche-Chef als Beispiel für „gute Unternehmen“ in Deutschland die Allgäuer „Erlebnisbrauerei“ Zötler, die in Vollmondnächten ein spezielles Bier braue, das sich in der Region großer Beliebtheit erfreue. In dem Gebräu, so erklärt Brauereibesitzer Herbert Zötler das Erfolgsgeheimnis, sei „die ganze Kraft und Magie des Vollmonds“ enthalten. 

Wendelin Wiedeking hätte das genauso sagen können. 

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