Maiglöckchen und Tollkirsche

Archiv: Maiglöckchen und Tollkirsche

Milde Biere undMischgetränkesollen wieder fürsteigende Umsätzeauf dem seit JahrenrückläufigenBiermarkt sorgen. 

Kühlschrank auf, Flasche raus, Kühlschrank zu. „2,50 Euro, bitte.“ Vorbei sind die Zeiten, als ein gutes Bier noch sieben Minuten brauchte und der Gast Wert legte auf eine prächtige Schaumkrone, die sich majestätisch über den Gläserrand erhebt. Zunehmend sind Flaschenbiere nicht nur zu Hause, sondern auch in Gaststätten auf dem Vormarsch. Ein Glas wird selten dazu gereicht. Selbst die beliebten Mischvarianten Alster, Radler und Diesel sind längst als fertige Mischung in der Flasche erhältlich. Das Angebot reicht mittlerweile allerdings weit über die klassischen Varianten hinaus: Vermehrt wird der Gerstensaft mit allen Arten von Fruchtsäften gemischt. Sogar Energydrinks peppen Bier inzwischen auf. Die Bad Homburger Brauerei Karlsberg hat 13 neue Sorten des Biermischgetränks Mixery angekündigt, darunter Maiglöckchen und Tollkirsche. 

Zu solchen Kreationen sind die Brauer beinahe gezwungen. „Auf dem seit Jahren rückläufigen Biermarkt muss man Innovationen entwickeln“, sagt Jörg Schillinger, Manager beim belgischen Braukonzern Inbev, zu dem unter anderem die Marke Beck’s gehört. Zwar fielen die Absatzeinbußen auf dem Gesamtbiermarkt im letzten Jahr mit 0,5 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren gering aus. Trotzdem müssen die Brauereien neue Produktsegmente erschließen. Nicht nur Biermischgetränke, auch milde Varianten altbekannter Marken wie Beck’s, Bitburger, Veltins oder Krombacher setzen Akzente in der deutschen Bierlandschaft. Mit der Einführung von Beck’s Gold wurde der Markt für mildes Bier geöffnet – die Konkurrenz zog schnell gleich. Inbev ist sicher, dass Biermischgetränke im Trend bleiben werden. Ihr Anteil am Gesamtmarkt betrug im vergangenen Jahr 2,8 Prozent – mit steigender Tendenz. 

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Ein weiteres Novum auf dem Biermarkt ist die Vermarktung spezieller Sorten als gesundheitsfördernd. So bietet Karlsberg, und zwar ausschließlich in Apotheken, das Wellnessgetränk Karla an, das durch Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralien sowie Hopfen- und Melisseextrakte bei einem Alkoholgehalt von nur einem Volumenprozent vor allem die weibliche Klientel ansprechen soll. Die gesundheitsfördernde Wirkung von Xanthohumol, einem Inhaltsstoff aus dem Hopfen, macht sich die Brauerei Weihenstephan zu Nutze, die ihre Marke Xan als alkoholfreies Wellnesserfrischungsgetränk wie auch als Hefeweißbier vermarktet. Der namensgebende Inhaltsstoff Xanthohumol geht sonst während des Brauprozesses verloren, kann aber durch eine neue Technologie erhalten werden. Die krebspräventive Wirkung, die Xanthohumol nachgesagt wird, erforschen Clarissa Gerhäuser und Norbert Frank vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg derzeit in einem Tierversuch: „Wir hoffen, dass Xanthohumol in der Lage ist, die Krebsentstehung im Tier zu verhindern.“ Allerdings könne niemand erwarten, Krebs allein durch Biertrinken zu verhindern. 

kerstin ruskowski 

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