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James Bond lässt grüßen: Jaeger-LeCoultre bringt eine Aston-Martin-Uhr auf den Markt. 

Dieses Gefühl beim Einsteigen! Als ob man in einen Schlafsack schlüpft. Ein DB9 von Aston Martin ist zwar nicht viel kleiner als ein 5er-BMW oder die E-Klassel von Mercedes, innen aber deutlich enger. So what! Die britischen Autobauer haben es verstanden, diese Beschränkung als Vorzug erscheinen zu lassen. Rechts die wuchtige Mittelkonsole aus Leder und Wurzelholz mit den typischen Aston-Martin-Knöpfen, ideal als Armstütze und Ablage. Links die Tür, unter der die Handbremse platziert ist. 

Richtig verstanden: Die Handbremse sitzt links. Wer einen Aston Martin fährt, muss eben bereit sein, Routinen aufzugeben. Das gilt schon fürs Anlassen des urbritischen Autos, mit dem James Bond seit den frühen Sechzigern im Auftrag ihrer Königlichen Hoheit die Bösewichter dieser Welt jagte, und dem auch seine Königliche Hoheit Prince Charles nun schon mit dem dritten Exemplar die Treue hält. Statt mit einem Schlüssel hinter dem Lenkrad zu fummeln, drückt der Fahrer auf den Startknopf. 

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Ein leises Brummen setzt ein, und 450 Pferdestärken setzen den Wagen sanft in Bewegung. Ein kurzes Tippen aufs Gaspedal: Das Motorengeräusch verstärkt sich zu einem verhaltenen Röhren. Dann drückt eine unsichtbare Hand den Fahrer in die Rückenlehne, die Reifen drehen kurz durch, der Wagen schießt kraftvoll los. 

Jetzt ist die Autolegende Uhr geworden. Der Schweizer Luxusuhrenhersteller Jaeger-LeCoultre bringt zusammen mit Aston Martin ein wunderschönes Männerspielzeug auf den Markt: die AMVOX2, den ersten Chronograph ohne Drücker. Eine Stoppuhr ohne seitliche Drücker? Wie soll das funktionieren? Ganz einfach: Jaeger-LeCoultre hat den Drücker-Mechanismus in das Gehäuse integriert. 

Ein kurzes Antippen auf das Uhrglas bei zwölf Uhr: Der Chronographenzeiger saust los. Ein weiterer Druck bei der zwölf: Der Zeiger stoppt. Um den Zeiger wieder auf null zu stellen, wird bei derPosition von sechs Uhr aufs Zifferblatt getippt. „Ich wollte eine Uhr machen, die für Sportler einfach zu handhaben ist“, sagt Francis Cretin, unter dessen Ägide das Gehäuse der AMVOX2 entstand. Die Überlegung des 33-Jährigen: Es ist einfacher, kurz auf das Glas zu tippen als kleine, halbverborgene Drücker an der Seite ausfindig zu machen und in Stresssituationen zu bedienen. 

Cretin weiß, wovon er spricht. Der Entwickler nahm früher als Ski-Trainer immer wieder an Wettbewerben teil. Zum anderen arbeitete der Franzose am Jaeger-LeCoultre-Stammsitz im Juradorf Le Sentier während der Entwicklungsphase eng mit den Konstrukteuren von Aston Martin zusammen und ließ sich von den Briten genau erläutern, was professionelle Fahrer von einem Chronograph erwarten. 

Die Idee, die Drückerfunktion für die Zeitabnahme von der schmalen Außenseite des Uhrgehäuses auf die größere Fläche des Saphirglases zu verlagern, erscheint auf den ersten Blick simpel. Warum kam noch kein Hersteller auf den Gedanken? Tatsächlich handelt es sich aber um eine komplizierte Mechanik und um eine der revolutionärsten Neuigkeiten in der Chronographentechnik seit der Entwicklung des berühmten El Primero von Zenith, des ersten Chronographen mit Automatikaufzug im Jahre 1969. 

Schon das Gehäuse stellt ein kleines Wunderwerk dar. Um den seitlichen Drücker überflüssig zu machen, musste das Team um Francis Cretin ein System von millimeterkleinen Hebeln entwicklen, die den Druck vom Uhrglas an das Uhrwerk weitergeben. 

Tatsächlich besitzt die AMVOX2 zwei Gehäuse, ein äußeres, an dem das Uhrband befestigt ist, und ein inneres, das auf einer kleinen Welle unterhalb der Krone liegt und durch den Druck bei zwölf Uhr und sechs Uhr um vier Grad gekippt werden kann, um die Stoppfunktion auszulösen. Allein das Gehäuse des neuen Modells verfügt über 130 Teile und somit schon über mehr Elemente als eine gewöhnliche mechanische Uhr einschließlich Uhrwerk insgesamt besitzt. 

Die Manufaktur im Vallée de Joux, einem im Winter eisigen Jurahochtal in 1 000 Meter Höhe, hat während ihrer über 170 Jahre währenden Geschichte immer wieder die Gehäusetechnik neu erfunden. 1931 entwickelte Jaeger-LeCoultre die Reverso, die erste Uhr mit Wendegehäuse. Der Anstoß kam von englischen Kolonialoffizieren aus Indien, die für das Polospiel eine bruchsichere Uhr brauchten. 

Ein weiterer Schritt in der Gehäusekonstruktion gelang Jaeger-LeCoultre im vergangenen Jahr mit dem Compressor Extreme World Chronograph, der wie die AMVOX2 ebenfalls unter Federführung von Cretin entstand. Bei dem Compressor Chronograph nimmt ein Luftkissen 50 Prozent der Vibrations- und Stoßenergie auf. Und jetzt – kaum ein Jahr später – überrascht Francis Cretin die Uhrenszene mit dem Chronograph ohne Drücker. 

Aber nicht nur das Gehäuse, auch das Uhrwerk der AMVOX2, bestehend aus 275 Teilen hat es in sich. Das Kugellager für den Rotor, der den automatischen Aufzug betätigt, läuft auf Kugeln aus Keramik, die keine Schmierung brauchen. Die Gangreserve beträgt 72 Stunden statt der üblichen 40 bis 46 Stunden. 

Von der Erscheinung her ist der Zeitmesser ganz auf die Optik von Aston Martin getrimmt. Das satinierte Runddes Zifferblatts ähnelt der Oberflächenstruktur einer Scheibenbremse; diesich abhebenden 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler auf den lumineszierenden weißen Scheiben erinnern an die beleuchteten Sportwagen-Armaturen während einer Nachtfahrt. Und die 270-Grad-Anordnung des Zifferblatts verstärkt den Eindruck einer Armaturenanzeige noch zusätzlich. 

Die Zusammenarbeit zwischen dem britischen Sportwagenhersteller und dem Schweizer Luxusuhrenbauer ist mehr als nur ein Marketinggag. Schon in den Dreißigerjahren baute Jaeger-LeCoultre Instrumentenuhren für Aston Martin. Nach jahrzehntelanger Pauselancierten die beiden Marken dann im September 2004 die AMVOX1 Alarm. 

Der Armbandwecker war ein Geschenk zum gemeinsamen Geburtstag des Aston-Martin-Klassikers DB5 und der Memovox Polaris vor 40 Jahren. Beide Modelle gelten unter Sammlern heute als Ikonen. Von der Polaris Memovox, einer Taucheruhr mit Weckfunktion, kamen nach Schätzungen von Uhrenexperten nur 1200 bis 1500 Exemplare auf den Markt. Heute zahlen Kenner bis zu 10 000 Euro für ein Exemplar. 

Auch vom DB5 kamen nach Schätzungen von Sammlern nur rund 1000 Exemplare in die Verkaufsräume. Trotz der kurzen Vermarktungszeit von nur zwei Jahren wurde der DB5 zum wohl bekanntesten Aston Martin aller Zeiten. Auf Auktionen zahlen Liebhaber Mondpreise für den Oldtimer. Erst vor wenigen Wochen ersteigerte ein Schweizer das Originalauto, mit dem Bond-Darsteller Sean Connery die „Goldfinger“-Verfolgungsjagden gemimt hatte, für 1,7 Millionen Euro. 

So viel Geld brauchen die Uhrenkenner für die AMVOX2 (vorerst) nicht hinzulegen. Das teuerste Modell in Titan und Platin wird 23 000 Euro kosten. Alle Versionen der AMVOX2 sind limitiert. Eine Serie mit schwarz beschichtetem Gehäuse aus Titan (12 500 Euro) kommt in einer Auflage von 250 Exemplaren auf den Markt. Dazu kommen 750 Stücke mit poliertem Titan (10 500 Euro); von der Titan-Platinversion wird es 200 Exemplare geben. Die Stücke sind abJuni erhältlich. 

Lothar Schnitzler 

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