Archiv: Mannder Woche

Nach fünfjährigem Dornröschenschlaf ist der deutsche Verbraucher wieder erwacht – und hat die Lust am Einkaufen neu entdeckt. Weil er den Konjunkturaufschwung damit auf eine solide Basis stellt, ist er unser... 

Viel gefehlt hat nicht, und man hätte ihn wegen seines Seltenheitswerts wohl unter Artenschutz gestellt, den deutschen Verbraucher. Nach dem Platzen der New-Economy-Blase vor fünf Jahren hatte er sich in die eigenen vier Wände zurückgezogen, nur selten bekamen ihn Einzelhändler zu Gesicht. Die größten Chancen hatten noch die Billigheimer, die Aldis, Lidls und Pennys. Denn irgendwo musste der deutsche Verbraucher ja seine Lebensmittel kaufen. Weil die Unternehmen in den Krisenjahren Arbeitsplätze strichen und die Löhne kürzten, drehte der Verbraucher jeden Cent zweimal um. „Geiz ist geil“ wurde zu seinem Mantra. Für die Wirtschaft war das fatal. Denn der Verbraucher, der immerhin knapp 60 Prozent der heimischen Produktion abnimmt, brachte mit seiner Zurückhaltung die Konjunktur zum Erliegen. Doch nun scheinen die Jahre der selbst auferlegten Askese vorüber zu sein. Der deutsche Verbraucher hat den Spaß am Shoppen wieder entdeckt. In den vergangenen Wochen füllten sich die Züge und Straßenbahnen, die die Menschen aus den Vororten in die Einkaufszentren der Städte bringen. Und an den innerstädtischen Parkhäusern und an Ladenkassen bildeten sich sogar Warteschlangen. Das hat vor allem mit der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 zu tun. Wer seine jahrelang aufgeschobenen Käufe noch in diesen Tagen nachholt, kann Geld sparen. Besorgt fragen sich Einzelhändler und Wirtschaftsforscher daher, ob der deutsche Verbraucher im nächsten Jahr die Kassen weiter zum Klingeln bringen wird. Die Chancen stehen nicht schlecht. Zwar wird der Ansturm auf die Geschäfte wohl nicht so heftig ausfallen wie in den Tagen vor Weihnachten. Aber weil die Unternehmen wieder Arbeitsplätze schaffen und sich die Einkommensaussichten bessern, dürfte den Bürgern das Geld etwas lockerer in der Tasche sitzen als in den vergangenen Jahren. Unter Artenschutz jedenfalls muss man den deutschen Verbraucher noch nicht stellen. 

malte.fischer@wiwo.de 

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