Maximale Kontinuität

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Ben Bernanke » Der neue Fed-Chef tritt ein schweres Erbe an. Kann er die Inflation unter Kontrolle halten? 

Den Weg zu seinem neuen Arbeitsplatz in der Constitution Avenue in Washington kennt Ben Bernanke wie seine Westentasche. Von 2002 bis Mitte 2005 war der Professor von der Eliteuni Princeton Mitglied des Gouverneursrates der amerikanischen Notenbank Fed – und eilte in dieser Funktion regelmäßig zu den Zinsentscheidungen in die Fed-Zentrale nach Washington. Von Februar nächsten Jahres an wird Bernanke den Vorsitz der mächtigsten Notenbank der Welt übernehmen. 

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Damit tritt der 51-jährige Geld- und Währungsexperte die Nachfolge von Alan Greenspan an, dessen 18-jährige Amtszeit am 31. Januar 2006 ausläuft. Unter Beobachtern hatte Bernanke schon geraume Zeit als Top-Favorit gegolten (siehe WirtschaftsWoche 42/2005). Dazu dürfte neben seiner herausragenden Expertise in Geld- und Währungsfragen auch beigetragen haben, dass US-Präsident George W. Bush ihn im Juni dieses Jahres zum Chef des Wirtschaftsberaterteams im Weißen Haus ernannte. Dort hat Bernanke wichtige Erfahrungen mit Politikern gesammelt, die ihm als Fed-Chef nützlich sein dürften. Börsianer und Konjunkturexperten setzen darauf, dass Bernanke ein Maximum an Kontinuität in der Geldpolitik gewährleistet. Schon in der Vergangenheit hat er den Kurs der Notenbank maßgeblich beeinflusst, etwa als er 2003 als einer der Ersten vor einem Abrutschen in die Deflation warnte und damit den Boden für die Zinssenkungen der Fed bereitete. Allerdings gilt Bernanke – anders als Greenspan – als Verfechter eines öffentlich bekannt gegebenen Inflationsziels. Dieses soll die Notenbank einer stärkeren Regelbindung unterwerfen und mehr Transparenz in ihre Entscheidungen bringen. Ob dies gelingt, ist unsicher. Hinzu kommt, dass Greenspan Bernanke mit der Immobilienpreisblase und dem hohen Leistungsbilanzdefizit ein schweres Erbe hinterlässt. Spätestens wenn der Immobilienpreisblase in den USA die Luft ausgeht, könnte Bernanke gezwungen sein, sein geldpolitisches Konzept zu überdenken. 

malte.fischer@wiwo.de, rolf ackermann 

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