Mehr als schnelles Geld

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China Construction Bank » Das Geldinstitut sucht einen ausländischen Investor und strebt an die internationale Börse. 

Schon vor seinem Wechsel auf den Vorstandsvorsitz der China Construction Bank (CCB) war Guo Shuqing der bekannteste Manager der chinesischen Finanzwelt. Sobald Gerüchte über eine Aufwertung der chinesischen Währung Yuan auftauchten, trat Guo, damals Direktor der Börsenaufsicht, an die Öffentlichkeit und dementierte. In seinem neuen Job sorgt er jetzt wieder für Aufsehen: Er will fünf Prozent an der CCB verkaufen und sie Ende des Jahres in Hongkong oder New York an die Börse bringen. 

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Mit der Bank of America, der zweitgrößten Bank der USA, hat Guo bereits eine Absichtserklärung vereinbart. 1,5 Milliarden bis zwei Milliarden Dollar erhofft er sich durch den Verkauf des Fünf-Prozent-Pakets. Doch ob die Bank of America den Zuschlag erhält, ist noch offen. Auch andere Banken interessieren sich für den Kauf. Sogar Temasek, der Investment-Holding der Regierung Singapurs, werden Ambitionen nachgesagt. Doch Guo wird sich nicht für den Anbieter entscheiden, der das meiste Geld auslobt. „Wir wollen mehr als das schnelle Geld“, sagt der CCB-Chef, „ wir suchen einen Partner, der uns das nötige technische und Management-Know-how gibt, das wir brauchen, um die Bank besser managen zu können.“ Gelingt der Deal, wäre die CCB das erste der vier großen Kreditinstitute Chinas mit ausländischem Gesellschafter. 

Auch die Bank of China (BOC) sucht einen Investor aus dem Ausland. Erste Gespräche darüber laufen bereits, darunter mit der Royal Bank of Scotland, mit UBS, J.P. Morgan und der Deutschen Bank. Liu Mingkang , Vorsitzender der chinesischen Bankenaufsicht, kündigte jüngst an, die BOC stehe kurz davor, eine Absichtserklärung zu unterzeichnen. 

Guo sucht allerdings nicht nur einen ausländischen Investor, er will die CCB auch an die Börse bringen. Den Börsengang peilt er zum Jahresende an, ein genaues Datum will er aber noch nicht nennen. „Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass die Marktstimmung umschlagen kann“, bremst Guo die aufkeimende Euphorie, „wir sind nicht so beschränkt, einen Börsengang zu erzwingen, wenn er nicht sinnvoll ist.“ 

Leicht wird der Börsengang ohnehin nicht. Der Ruf des Kreditinstituts ist beschädigt. Guos Vorgänger Zhang Enzhao sitzt im Gefängnis und muss sich in den USA wegen Bestechlichkeit vor Gericht verantworten. 

Erste Erfolge kann Guo bereits vorweisen, der sich schon in der zentralen Planungs- und Reformkommission, als Vizeprovinzgouverneur und als Vize der Bank of China seine Sporen verdient hat. 

Bei der CCB drückte er die Quote der faulen Kredite weiter nach unten, drängte die Rolle der Partei zurück und ging mit seinen Managern hart ins Gericht: 90 Prozent von ihnen seien unqualifiziert, ließ er im Haus verbreiten. 

frank.sieren@wiwo.de | Peking 

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