Archiv: Mehr Mittel

Unternehmen+Märkte I Spezial Mittelstand Unternehmen setzen verstärkt auf Leasing.  Das lohnt sich, wenn sie mehr in ihr Kerngeschäft investieren wollen. 

Mehr Platz. Das war es, was Rigo Fay im vergangenen Jahr dringend brauchte. Der geschäftsführende Gesellschafter der Engelhardt und Bauer Druck- und Verlagsgesellschaft wollte Maschinen austauschen. Sein Problem: Moderne Druckmaschinen sind deutlich größer als alte – jedenfalls die, mit denen die 160 Mitarbeiter am Stammsitz in Karlsruhe Bildbände, Werbematerialien, Geschäftsberichte und Kunstkataloge herstellen können. So hatte Fay bereits 2004 eine brandneue Zehnfarbmaschine angeschafft – vier Meter länger als das Vorläufermodell. „Dafür mussten wir ziemlich umräumen“, erinnert er sich. 

Die nächste Maschine – eine sogenannte Computer-to-Plate-Anlage für die Herstellung der Druckplatten – war dann sogar dreimal größer als die alte und passte nicht mehr in die Druckhalle. So stand die Anlage nach dem Kauf noch gut ein halbes Jahr ungenutzt beim Hersteller. Höchste Zeit, endlich zu erweitern, entschied Fay. Das Firmengebäude, einen Flachbau aus den Achtzigerjahren, ließ er ausbauen und um eine zweite Etage aufstocken. 

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Die Kosten für den 600 Quadratmeter umfassenden Anbau schulterte Fay nicht wie die meisten Unternehmer per Kredit, sondern verkaufte beide Gebäude an die SüdLeasing Vendor aus Stuttgart, eine Tochter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), und leaste sie wieder zurück. Der Vertrag für dieses Sale-and-lease-back-Geschäft (SLB) läuft 30 Jahre. Er enthält zwei Rückkaufoptionen, eine nach 15 Jahren und eine zum Ende der Laufzeit. 

Für die Nutzung überweist Fay nun vierteljährlich Raten an die von der Südleasing gegründete Objektgesellschaft BEATE Grundstücksverwaltung. Sie ist die Eigentümerin der Gebäude. Durch das Leasinggeschäft haben sich Fays Eigenkapitalquote und Liquidität verbessert. „Wir wollten möglichst viele liquide Mittel für Investitionen behalten“, sagt er. Denn auch künftig will er nach fünf, spätestens sechs Jahren die jeweils modernste Anlage anschaffen, um qualitativ mithalten zu können. 

Fays Schritt ist im Ausland längst üblich. In den USA etwa gehört nur jede dritte Gewerbeimmobilie ihrem Nutzer. Leasing ist dort ein gängiges Finanzierungsinstrument nicht nur für Fahrzeuge, sondern auch für Immobilien, Maschinen, Bürogeräte, Informationstechnologie, Arbeitskleidung oder immaterielle Güter wie Patente und Lizenzen. Die Bedeutung von Leasing wächst aber auch in Deutschland. Interessant ist es vor allem für Unternehmen, die mehr und schneller investieren wollen. 

Experten unterscheiden zwischen dem eher kurzfristigen Operate-Leasing – das kommt der Miete am nächsten und ist vor allem im Automobilleasing üblich – und dem komplexeren Finanzierungsleasing. Dabei sind in der Regel drei Partner im Spiel: Neben der Leasinggesellschaft und ihrem Kunden noch der Hersteller einer geleasten Maschine oder etwa beim Immobilienleasing die Objektgesellschaft als Eigentümerin des Gebäudes. 

Die Leasinggüter tauchen beim Finanzierungsleasing in der Bilanz des Leasinggebers auf. Das Unternehmen kann die Leasingraten zudem als Betriebsausgaben absetzen. „Die Raten lassen sich flexibler an die wirtschaftliche Lage anpassen“, sagt Simon Dahms, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Controlling der Universität Münster. Und anders als Kreditraten fallen sie bilanziell nicht als Verbindlichkeit zur Last. So schont Finanzleasing das Eigenkapital und die Liquidität des Leasingnehmers und verbessert damit sein Rating. 

Das tut auch Not. Denn bei der Finanzierung von Investitionen hakt es bei Mittelständlern oft. Einer Studie von PricewaterhouseCoopers zufolge können nur 22 Prozent der Unternehmen ihren Gewinn vollständig reinvestieren – mangels Liquidität. Und nur rund jede dritte Verhandlung über Investitionskredite ist aus Unternehmenssicht erfolgreich. Grund hierfür ist die chronisch dünne Eigenkapitaldecke. In 34 Prozent der kleineren Unternehmen liegt die Eigenkapitalquote nach Angaben der Creditreform unter zehn Prozent, bei gut jedem vierten Unternehmen unter 20 Prozent. Das verschlechtert das Rating und treibt die Finanzierungskosten. 

Da wundert es kaum, dass die Zahl der Mittelständler steigt, die Leasing zur Finanzierung von Investitionen nutzen. Das » zeigt die aktuelle Mind-Studie (Mittelstand in Deutschland) des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Fast 41 Prozent der befragten Unternehmen setzen Leasing danach als Finanzierungsinstrument ein, wobei das Fahrzeugleasing klar dominiert (siehe Grafik). 

Ein schlechtes Rating können Unternehmen mit Leasing allerdings nur bedingt aufhübschen. „Auch beim Leasing zählt die Bonität“, sagt Dahms. „Gute Konditionen erhält nur, wer auch gute Kreditkonditionen bekäme.“ Das sind Unternehmen, deren Rating einem Creditreform-Bonitätsindex von mindestens 300 Punkten entspricht – auf der Skala von 100 (der Bestnote) bis 600 Punkten. „Um diese 300er-Grenze herum bewegt sich unserer Erfahrung nach der Großteil der Mittelständler“, sagt Dahms. 

Unternehmen mit einer solchen Bewertung rät Dahms, Leasing wohlwollend zu prüfen. Denn für sie sind Chance und Notwendigkeit am größten, ihre Bilanzsituation zu verbessern. „Wer einmal den Fuß drin hat, bekommt anschließend leichter weitere Verträge zu guten Konditionen“, sagt er. Grundsätzlich rät er allen Unternehmen, sich vor einer Finanzierungsentscheidung auch Leasingangebote unterbreiten zu lassen. „Schon, weil die Gesellschaften immer auch prüfen, wie sich welche Leasingvariante steuerlich und bilanziell auswirken würde“, meint Dahms. 

Für die Entscheidung pro Leasing spricht zudem eine Eigenkapitalquote von weniger als 25 Prozent und ein Anlagendeckungsgrad – das Eigenkapital im Verhältnis zum Anlagenvermögen – von weniger als 80 Prozent. Wobei die Entscheidung für Leasing als Finanzierungsvariante weit mehr ist, als eine reine Rechenaufgabe. „Dafür ist sie viel zu komplex und strategisch bedeutsam“, sagt Dahms. „Interessant ist Leasing vor allem für Unternehmen, die mehr oder früher investieren wollen und hierfür liquide Mittel brauchen.“ Das gilt besonders, wenn Investitionen in das Kerngeschäft mit anderen Investitionen konkurrieren. Deren Ertrag ist in aller Regel weit größer als der aus dem Besitz von Fuhrparks oder Immobilien. 

Leasing lohnt sich jedoch meist erst von einem gewissen Investitionsvolumen an: Bei Mobilien wie Fahrzeugen oder Maschinen ab 25 000 Euro, beim Immobilien-Leasing erst ab einer Million Euro aufwärts. „Je größer das Geschäftsvolumen, desto mehr rentiert es sich für den Leasinganbieter, sich bei der Beratung zu engagieren“, meint Dahms. Dies gilt umso stärker, je mehr Service die Unternehmen von ihrer Leasinggesellschaft erwarten. 

Das bestätigt eine Befragung der Beratungsgesellschaft Arthur D. Little unter Unternehmen, die ihre Fahrzeuge leasen. Je kleiner der Fuhrpark, desto unzufriedener sind danach die Kunden mit der Leistung ihrer Leasinggesellschaft. Unter Experten gelten 25 bis 30 Fahrzeuge bei einer Gesellschaft als kritische Masse, ab der sich Leasing für den Fuhrpark rentieren kann. 

Mittelständler können beim Fuhrparkleasing einen Teil der Arbeit bis zur kompletten Verwaltung auslagern. Das lohnt sich oft. Denn eine Flotte bindet nicht nur viel Kapital, sondern verursacht auch Berge von Arbeit. So werden 50 Autos im Jahr durchschnittlich 2400-mal betankt, 1200-mal gereinigt und 125-mal in der Werkstatt vorgefahren, hat Berthold Schäfer, Vorstand des Vereins für Fuhrparkmanager Automobile Konzepte, ausgerechnet. Dazu erleiden die Fahrzeuge auf ihren 1,75 Millionen Kilometern durchschnittlich 20 Karosserieschäden und bekommen 250 Strafzettel hinter den Scheibenwischer geklemmt. „Außerdem fallen im Schnitt zwölf Beschaffungen und zwölf Verkäufe an“, sagt Schäfer. 

Vor fünfeinhalb Jahren lagerte Philipp Schröder, Bereichsleiter Finanzen der Weinmann Geräte für Medizin in Hamburg, die Verwaltung der derzeit 56 Pkw und vier Lkw starken Flotte an nunmehr drei Leasinggesellschaften aus. Diese übernehmen die komplette Wartung und Verwaltung. Kosten hat Schröder hierdurch nicht gespart. Doch auch er hat Liquidität gewonnen. „In den ersten drei Jahren jährlich eine Million Euro“, sagt er, „seither rund 600 000 bis 700 000 Euro im Jahr.“ 

Zudem stieg die Qualität des Fuhrparks, weil Schröder die Wagen nun schneller austauscht. Nicht zuletzt sank der Aufwand. „Wir haben eine gute Dreiviertelstelle eingespart“, sagt Schröder. Eine Mitarbeiterin auf halber Stelle ist die Schnittstelle zwischen Fahrern und Leasinggesellschaften. „Auf sie können wir nicht verzichten“, sagt Schröder, „einfach weil der Umgang mit Full-Service-Leasinggesellschaften nicht jedem Fahrer vertraut ist.“ 

Grundsätzlich ist Schröder zufrieden. Auch wenn er sich vom Service mehr erhofft hatte. „Spätestens wenn Sie vom Außendienst in den Innendienst der Leasinggesellschaft wandern, haben Sie es mit Leuten zu tun, die nur eintippen, was Sie denen sagen“, kritisiert er. „Ohne sich die Mühe zu machen, mal zu schauen, ob es mit etwas besserer Ausstattung oder einem anderen Paket nicht auch finanziell oder steuerlich günstiger ginge.“ 

Zu seiner Erleichterung hat Schröder dafür keines der gängigen Probleme, wie zum Beispiel den häufigen Streit über den Restwert bei der Rückgabe der Fahrzeuge. Im Gegenteil. Zur Kontrolle holt er stets ein Dekra-Gutachten ein. Das ergab immer, dass Schröder bei der Rückgabe eigentlich noch mehr hätte zahlen müssen. Bis auf einmal. „Da veranschlagte unser Gutachten plötzlich 400 Euro mehr Restwert als das der Gesellschaft“, erinnert er sich. Ein kurzer Briefwechsel und die Sache war geregelt. „Die Gesellschaft hat sich nach unserem Gutachten gerichtet.“ Und die 400 Euro erlassen. 

Noch Fragen? midia nuri | unternehmen@wiwo.de 

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