Mehrwert durch Zerschlagung

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Klaus Zumwinkel »  Der Chef der Deutschen Post muss fürchten, dass Finanzinvestoren den Logistik-Konzern über-nehmen und zerlegen. 

„Wir sind hochinteressant für jeden großen Finanzinvestor“, sagte Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel Anfang Mai in der WirtschaftsWoche (19/2006). Inzwischen melden sich Investmentbanker bei Firmenkäufern, um ihnen die Totalübernahme des Logistikriesen zu empfehlen: Die verschiedenen Geschäftsbereiche, getrennt an der Börse oder an Investoren veräußert, brächten mindestens ein Fünftel mehr, als der Konzern zurzeit wert ist. Nach den Berechnungen einer US-Investmentbank, die der WirtschaftsWoche vorliegen, ließen sich die Briefsparte der Post für gut 15 Milliarden Euro und das Express- sowie das Logistikgeschäft jeweils für rund zehn Milliarden verkaufen. Dazu kämen acht Milliarden für den 67-prozentigen Anteil an der Postbank. Mit den Steuerersparnissen durch Verlustvorträge sowie den Nettoschulden und Pensionsverpflichtungen ergäbe sich ein Gesamterlös für die einzelnen Sparten von 37,5 Milliarden Euro. Das wären gut zwölf Milliarden mehr als der heutige Börsenwert von 25 Milliarden Euro. Wegen der Größe des Gesamtpakets müssten Investoren bei einer Totalübernahme allerdings einen Zuschlag von vermutlich 20 bis 25 Prozent, also einen Gesamtpreis von bis zu 31 Milliarden Euro, bezahlen. Dies könnten Private-Equity-Gesellschaften und Hegdefonds durchaus stemmen. Die Firmenjäger sammeln in diesem Jahr so viel Geld ein wie noch nie – nach Schätzungen des Branchendienstes Private Equity Intelligence voraussichtlich knapp 240 Milliarden Euro. Allein der US-Riese Blackstone, der sich im April mit 4,5 Prozent an der Deutschen Telekom beteiligte, legte mit umgerechnet rund 12 Milliarden Euro den bisher größten Geldtopf dieser Art an. Mit ihren Planspielen spekulieren die Investmentbanker auf die Geldnot des Bundes. Der hält über die KfW Bankengruppe noch rund 36 Prozent an der Post, nachdem das staatliche Institut in diesen Tagen weitere 5,4 Prozent verkaufte. Bei einer Übernahme würde dem Bund schätzungsweise ein niedriger einstelliger Milliardenbetrag zufließen. Allerdings wäre es dann mit der Deutschen Post als weltweitem Logistikchampion vorbei. Ein Top-Investmentbanker glaubt: „Bei der nächsten Gelegenheit, in drei bis zwölf Monaten, wird ein Vierer- oder Fünferclub zuschlagen.“ 

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reinhold.boehmer@wiwo.de 

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