Missvergnügen im Freizeitpark

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Volkswagen » Im Autokonzern ist ein Streit um Investitionen in den unternehmenseigenen Freizeitpark entbrannt. 

VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder muss sich in den nächsten Monaten um einen exotischen Konzernbereich kümmern: den VW-eigenen Freizeitpark. Die 25 Hektar große so genannte Autostadt am Konzernsitz in Wolfsburg benötigt dringend neue Attraktionen, um weiterhin Jahr für Jahr Millionen Besucher anlocken zu können. Doch im Konzern sind die Investitionen dafür umstritten. 

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Bereits 2003 hatte es der Volkswagen-Vorstand abgelehnt, weitere 100 Millionen Euro in den Freizeitpark zu stecken. Jetzt, so heißt es im Unternehmen, müsse ein ähnlich hoher oder noch höherer Betrag investiert werden, denn neue Museen und Erlebniswelten von Porsche, DaimlerChrysler und BMW machen der Autostadt von 2006 an Konkurrenz. Bis zum Sommer will Autostadt-Geschäftsführer Otto Ferdinand Wachs dem Vorstand unterschiedliche Szenarien vorlegen, wie sich der Park in den nächsten fünf Jahren entwickeln kann. Dass das Geld gut angelegt wäre, will Wachs mit der Bilanz der ersten fünf Jahre nachweisen. Rund 450 Millionen Euro gab der Konzern für den Bau der Autostadt aus, die am 1. Juni 2000 eröffnet wurde und neben einem Ritz-Carlton-Hotel ein Museum, ein Auslieferungszentrum und ein aufwendiges Kulturprogramm bietet. Heute werden dort täglich bis zu 550 Autos direkt an Kunden ausgeliefert. 159 000 Wagen waren es im vergangenen Jahr. Wichtiger noch: Mehr als 10 000 Kaufentscheidungen für VW-Autos, so interpretiert Wachs Marktforschungsergebnisse, verdankt Volkswagen der Autostadt. Für Volkswagen sei die Einrichtung zu einer „überaus erfolgreichen Kommunikationsplattform“ und Marketinginvestition geworden, sekundiert Hans Dieter Pötsch , VW-Finanzvorstand und Aufsichtsrat der Autostadt GmbH. 

Doch Wachs muss sparen. 2,1 Millionen Besucher zog die Autostadt 2004 zwar an, mehr Zulauf habe nur der Freizeitpark Rust in Baden-Württemberg, sagt der Manager. Aber nur 1,3 Millionen Gäste zahlten Eintritt. Die Autostadt mit ihren 2000 Beschäftigten ist deshalb angewiesen auf Zuweisungen des Konzerns von bisher jährlich mehr als 20 Millionen Euro, die intern Budgetmittel zur Absatzförderungheißen. 2004 gelang es Wachs, das Defizit der Konzerntochter durch Preiserhöhungen und Sparmaßnahmen von erwarteten 26 auf 16 Millionen Euro zu drücken. 

harald.schumacher@wiwo.de 

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